Landschloß Pirna-Zuschendorf

Veranstaltungskalender 2017

XII. Hortensienschau im Landschloß
Frühe deutsche Hortensiensorten

"Die goldenen 20iger Jahre..."
22.07. - 06.08.2017



Hortensie und Charleston 2017

Die zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts waren sicher durch die seelischen und wirtschaftlichen Verluste des verlorenen Krieges geprägt. Große soziale Umwälzungen, Inflation und Versailler Vertrag machten das Leben nicht leicht. Aber es gab auch den großen Aufbauwillen und die unbändige Lust, endlich wieder zu leben und die Suche nach dem großen Glück begann von neuem. Es war eine Zeit großer Erfindungen in Deutschland: vom Gummibärchen bis zur Flüssigkeitsrakete, von der Autobahn bis zum Tempotaschentuch, ein weites Spektrum, welches unser Leben bis heute begleitet. Auch die Gärtner und Züchter leisteten ihren Beitrag. Vor zwei Jahren stellten wir in unserer Hortensienschau Frankreich als die Wiege europäischer Hortensienzüchtung vor. Diesmal geht es um die frühen deutschen Sorten, die in der kurzen Zeit des Friedens zwischen den beiden großen Kriegen entstanden. Anfangs gab es in Deutschland einen regelrechten Wettlauf um die vielen, in Frankreich neu entstandenen Sorten. Jedoch stellte sich heraus, dass Masse oft nicht gleich Klasse und manche Sorte zu wenig auf wirkliche Produktionseignung geprüft war.


Hortensie und Charleston 2017

Der Ruf nach eigener Züchtung in Deutschland wurde längst im Stillen von A. Rosenkränzer aus Saarbrücken erhört. Bereits seit 1904 kreuzte er selbst Hortensien. Im Jahre 1911 brachte er als erste deutsche Sorte die Hortensie `Saarbrücken` heraus, die das Ergebnis der Kreuzung von `Souvenir de Claire` mit `Otaksa monstruosa` war. Ihr folg-ten ´Frau A. Rosenkränzer`(1912), `Heinrich Lambert`(1913), `Eugen Ullrich`(1913) und eine Reihe weitere. Bereits seit 1913 züchtete dann Joseph Wintergalen aus Münster die Sorten `Münster`, 'Carmen`, `Vulkan`, `Westfalen`, `Gyselheer` und viele andere. Ab 1919 folgte Heinrich Schadendorff aus Wedel in Schleswig - Holstein mit `Elbe`, `Europa`, `Hamburg`, `Holstein` usw. Beide Züchter sorgten für enorme Fortschritte in der züchterischen Entwicklung Europas. Nun erst, ab 1923, trat der erste sächsische Züchter in die Öffentlichkeit. Es war Friedrich Matthes aus Ottendorf-Okrilla. Geboren wurde er am 16. April 1870. Als junger Mann arbeitete er mehrere Jahre in Kanada, kehrte 1894 nach Sachsen zurück und gründete seine Gärtnerei. Dort befasste er sich mit Nelken, Bougainvillen, Boronien und vielem mehr.

Josephine Baker 2017

Wann er mit der Hortensienzüchtung begann, wissen wir nicht. Aber 1923 brachte er seine ersten, im ganzen Land sehr beachteten Sorten heraus: `Friedrich Matthes`, `Gerhard Glahn`, `Blauer Prinz` und `Goliath`. Nun züchtete er aller ein bis zwei Jahre neue Sorten . Dazu gehörten u.a. `Mein Ideal`(1924), `Schöne Dresdnerin`(1925), `Heideröschen`(1926), `Sachsenkind`(1927), `Spätsommer`(1928), `Willkommen`(1929), `Graf Zeppelin`(1930), `Heinrich Seidel` und `Gartendirektor Kunert`(1931). Friedrich Matthes setzte sich folgende Zuchtziele:
- Reichblütigkeit
- niedriger, gedrungener Wuchs
- feste, sich gut tragende Dolden
- intensive, leuchtende Färbungen

Dass er diese erreichte, sollen einige Kommentare in Fachzeitschriften zeigen:
- "Durch diese (Hortensien- d.R.) Züchtungen ist der Name Matthes mit der Entwicklungsgeschichte unseres heimischen Gartenbaus unzertrennbar verbunden." (Hahn, 1940)
- "Friedrich Matthes ist ein wandelndes Lexikon in Bezug auf Züchtungs- und Kulturkniffe, die besonders der deutschen Erwerbsgärtnerei in Bezug auf Wirtschaftlichkeit dienen." (Vogtländer, 1933)
- "Wer heute noch die alten Sorten (gemeint sind die französischen d.R.) kultiviert, kann wirklich nicht sagen, daß er auf der Höhe sei; denn die Züchtungen von Matthes ... sind derart hervorragend und zeichnen sich so sehr durch Blühwilligkeit, gute Haltung, Blütenfärbung und Großblumigkeit vor den alten Sorten aus, daß die vorwärtsstrebenden und weitsichtigen Gärtner kaltblütig die alten Sorten auf den Komposthaufen wandern lassen..." (Reiter, 1924)
- " Die Züchter Wintergalen und Matthes sind die hervorragendsten Pfadfinder und Erschließer dieses Kulturrevieres (Erwecken der Hortensie d. R.) geworden und haben uns ein schönes Wunder um das andere beschert." (Mühle,A., 1928)

Art Decor 2017

Im Jahre 1954 reichte die Firma Matthes noch eine Reihe Sorten zum Vergleichsanbau in das Pillnitzer Zierpflanzeninstitut ein. Dann versiegen die Nachrichten. Heute ist die Matthessche Gärtnerei Standort eines Autohauses.

Eine große Zahl der damals so innovativen Sorten von Schadendorff, Wintergalen und Matthes sind heute noch Bestandteil der Botanischen Sammlungen der TU Dresden in Pirna-Zuschendorf, der größten Hortensienkollektion Deutschlands. Diese frühen deutschen Sorten wurden in den letzten Jahren durch den Dresdner Gartenbaubetrieb Kühne Jungpflanzen vermehrt und zu ausstellungswürdigen Pflanzen herangezogen. Was damals die "allerneuste Neu" war, wird heute mit anderen, nostalgischen oder vorwärtsgewandten Augen betrachtet. Damit sich der Besucher selbst ein Urteil dazu erlauben kann, stellen wir die historischen Sorten dem aktuellen SAXON-Sortiment der oben genannten Firma und einen international geprägten des Hortensienspezialgartenbaubetriebes Reinhard Ullmann aus Radebeul gegenüber.

Gestalterisch eingebettet werden die Pflanzen in Szenen des vollen und überaus freizügigen Lebens der "Goldenen zwanziger Jahre". Die Besucher können sich wieder auf Gestaltungen des Dresdner Architektenehepaares Susanne und Volker Berthold freuen. Begeisterungsstürme riefen damals vor allem in Berlin afroamerikanische Jazzkapellen wie die 'Chocolate Kiddies' hervor. Der Charleston wurde allerorten getanzt. Das wird in unserer Ausstellung nicht fehlen.

Tausende Klassikblüten warten wieder darauf, dass Floristen Kunstwerke daraus zaubern. Auch hier wird der Jazz-Tanz eine Rolle spielen, genauso wie die damals verbreitete Kunstrichtung des Art Déco. Diesmal wird nicht nur Silke Kühne mit ihrer Firma Kühne Trend Florist zugegen sein. Sie bringt gleich ihre ganze Klasse angehender Floristikmeister aus dem Dresdner Institut für Floristik mit. Gemeinsam werden sie ein besonderes Flair in die barocken Festräume einziehen lassen.

Geöffnet:
Dienstag bis Sonntag und feiertags von 10.00 - 17.00 Uhr, zusätzlich Montag 10.00 - 16.00 Uhr
Eintritt: 5,00 €, ermäßigt 4,00 €


www.kamelienschloss.de



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