Landschloß Pirna-Zuschendorf

Veranstaltungskalender 2017


XIV. Deutsche Kamelienblütenschau im Landschloß Pirna - Zuschendorf

Kamelien in der europäischen Malerei

04. 03. bis 09. 04. 2017

Wieder laden die Botanischen Sammlungen zur Kamelienblütenschau ein. Der Knospenansatz auf unserer 1700 Quadratmeter großen Gewächshausfläche ist wie immer vielversprechend. Durch den langen warmen Sommer waren zwar schon einige Blüten recht vorwitzig ab September zu sehen. Doch die kürzer werdenden Tage und die küh-leren Nächte haben das Vorspiel schnell beendet. Die Hauptblüte erwarten wir Ende März; der Kenner liebt aber die Frische und die brillanten Farben der frühen Blüte. Die festlichen Schlossräume gehören wieder den über 1000 Einzelblüten, die aus ganz Deutschland zum Wettbewerb eingereicht werden. Gemeinsam mit der Mitteldeut-schen Kameliengesellschaft, deren Mitglieder die Blüten an den entferntesten Orten abholen und behutsam in das Landschloß transportieren, werden wir wieder eine so üppige Schau bieten, dass es dem Publikum schwer fällt, die Allerschönste herauszu-finden und zur "Schönsten Blüte Deutschlands 2017" zu wählen. Diesmal wird es ein besonderes Vergnügen sein, die lebendigen Blüten mit deren künstlerischer Umset-zung in verschiedensten Malstilen vergleichen zu können. In unserer Sammlung befinden sich eine Reihe von Bildern namhafter Künstler, hauptsächlich Ölbilder und Aquarelle, die wir zum großen Teil erstmalig zeigen werden.

Durch eine absichtliche Verwechslung kamen im Jahre 1792 die ersten Zierformen der Kamelie nach Europa. Die Chinesen wollten das Teemonopol nicht aufgeben und so packten sie statt der Kameliennutzpflanzen, dem Tee, lieber zwei Zierformen auf das Schiff der Engländer. So brachte Kapitän Wellbank die Sorten 'Alba Plena' und 'Variegata' mit auf die Britischen Inseln und löste damit einen Sturm der Begeisterung aus. Der Ruf von dieser einmalig schönen Pflanze drang auch recht bald nach Frankreich, Hol-land, Belgien und Deutschland. Es war natürlich vorerst der Adel, der die wertvollen Exemplare als Statussymbol in seinen Besitz bringen konnte. Diese herrlichen Pflanzen sollten nun von möglichst bekannten Malern verewigt werden. Zum einen wurden botanisch möglichst exakte Illustrationen angefertigt. Besonders bekannt und heute sehr begehrt sind die von Pierre Joseph Redouté (1759-1840), dem Blumenmaler der fran-zösischen Kaiserin Josephine. Recht bald wurden die fernöstlichen Blüten auch mit Ölfarben auf Leinwände gebannt. Vor allem Stillleben entstanden in der ersten Zeit. Das älteste unserer Sammlung stammt von Lina von Löwenich aus dem Jahre 1833 und wird in der Ausstellung auch zu sehen sein.


Lina von Löwenich: Blumenstillleben, Öl auf Holz, 1833.















Bevorzugt waren die Maler, die an der Quelle saßen. Dies galt zum Beispiel für Carl Friedrich Seidel, den Neffen des berühmten "Kamelienseidel" (Jacob Friedrich Seidel), der in Dresden die größte Kamelienproduktion weltweit aufgebaut hatte. Im Betrieb seines Onkels fand er eine Auswahl von 1.100 Sorten vor, die er malen konnte.


Carl Friedrich Seidel: Kamelien, 1. H. 19. Jh.

 

 

 

 

 


Besonders prachtvoll ist ein Blumenstillleben des im Jahre 1809 in Berlin geborenen Malers Friedrich Wilhelm Freydank. Als Vorlage dienten ihm besonders seltene und exotische Pflanzen des Königlichen Botanischen Gartens von Berlin. So entstand ein üppiger bunter Strauß in einer Kristallvase, der auch Kamelien enthält. Mit diesem Bild soll eine besondere Szene zur Ausstellung entstehen: Das Bild selbst steht auf einer Staffelei. Ein Maler (Freydank) hat das Vorbild aufgestellt, welches er künstlerisch um-setzte. Auf Grund der langen Ausstellungszeit von zwei Monaten ist die Verwendung echter Blumen hier nicht möglich. So haben wir die Kunstblumenmanufaktur Wallroda (die auch die Hutblumen für die englische Queen fertigt) gewonnen, den Vorbildstrauß nach dem Gemälde zu schaffen.


Friedrich Wilhelm Freydank: Blumenstillleben, Öl auf Leinwand, 2. H. 19. Jh.


 

 

 

 


Der bekannteste Maler der Blumenstillleben mit Kamelien war der nahe Kopenhagen im Jahre 1800 geborene Johan Laurentz Jensen. Vielleicht bekommen wir ein Bild aus seiner Schule als Leihgabe zur Schau. Auch in der Porträtmalerei nahm die Kamelie bald einen festen Platz ein. Anfangs betonte sie vor allem das Aristokratische der abgebildeten hochherrschaftlichen Perso-nen. Ein gutes Beispiel dafür ist das in Schloß Burgk hängende Bild der Therese von Winterfeld, geb. von Burgk, welches Albert Gliemann im Jahr 1856 schuf. Ein anderes Werk dieser Art ist das um 1850 von einem unbekannten Künstler stammende Abbild der Natalie Baronesse Blome (1813 - 1901). Sie hält mit hoher Wahrscheinlichkeit ei-nen Zweig der berühmten Roßweiner Kamelie in der Hand. Diese Pflanze der Sorte 'Alba Plena' gilt heute als die älteste gefüllt blühende Kamelie nördlich der Alpen und erfreut sich bester Gesundheit.

Besonders schwärmte man im russischen Riesenreich für die kälteliebende Blume aus Fernost. In Petersburg und Moskau wurden ganze Ballsäle mit ihr ausgeschmückt. T. J. Seidel aus Dresden exportierte seit 1834 unglaubliche Mengen dieser dort so be-gehrten Pflanze nach Rußland. So wie sich das in der Literatur dieses Landes wider-spiegelte, so geschah gleiches in der Malerei. Als Beispiel sei hier das von Pimen Nikititsch Orlow (1812 - 1865) in Öl gemalte Porträt der Natalie Baggavut genannt. Diese attraktive Dame trägt eine rote, etwas weiß gefleckte Kamelie im Haar. Im Jahre 1848, als die Kameliensucht ihrem Höhepunkt zustrebte, brachte Alexandre Dumas Fils seinen Roman und 1852 das gleichnamige Schauspiel "Die Kameliendame" heraus. Ein Jahr später folgte Giuseppe Verdis "La Traviata". Nun war es vor allem die erotische Seite, die bei den dargestellten Damen hervorgehoben werden sollte. Üblich war die Kamelie als Haarschmuck oder als Pflanze, manchmal auch als Strauß im Hin-tergrund des Bildes. Besonders dem tschechischen Maler Max Švabinský (1873 - 1962) haben wir eine ganze Reihe solcher Bilder zu danken.

Liest man die Geschichte der Elisabeth Rosanna Gilbert, die als Lola Mondez Münchens Männerwelt durcheinanderwirbelte, möchte man meinen, sie kannte schon einen Vor-abdruck der "Kameliendame". Denn schon ein Jahr vor Erscheinen des Romans, im Jahre 1847, malte sie Joseph Stieler mit roten Kamelien im schwarzen Haar. Sie war Tänzerin, gab sich als Nachkommin alten spanischen Adels aus und spazierte provokant rauchend und Peitsche schwingend durch München. Der Bayernkönig Ludwig I. war unsterblich in sie verliebt, was wiederum ihr gestattete, sich in seine Politik einzumischen. Das machte sie so ausgiebig, dass vielleicht das wichtigste Ereignis der 48iger Revolution Münchens die Vertreibung dieser ehrenwerten Dame war. Über die Schweiz ging sie nach Amerika. Wohin auch sonst?

Auch bei Selbstbildnissen vor allem aus der jüngeren Zeit wurde die Kamelie als Sym-bol geheimnisvoller Erotik gern genutzt. Besonders beeindruckend erlebbar finden wir dies bei Irena Rüther-Rabinowicz als Vertreterin der neuen Sachlichkeit in ihrem 1925 entstandenen Selbstporträt im schwarzen Spitzenkleid. Bei eher dunkler und zurückhaltender Farbwahl ziehen die rote Kamelienblüte in der Hand und ihr roter Mund die Blicke der Betrachter auf sich. Weniger vordergründig dann bei Paula Modersohn-Becker in ihrem 1906/07 entstandenen Selbstbildnis. Sie malte sich einen schlichten Kamelienzweig ohne Blüte vor ihren Oberkörper. Kamelien in Europa stehen aber auch für die Trauer. Vielleicht auch durch die Blüte in dunkler Jahreszeit wurden vor allem weiße Blüten in großen Mengen in der Kranzbin-derei verwandt. Ein eindrucksvolles Beispiel dafür ist unser sammlungseigenes Bild von Carl Gussow aus dem Jahre 1878: Bei der Kranzbinderin. Dieser, vor allem in Weimar und Berlin, aber auch in Italien im Sinne des Realismus arbeitende Künstler lebte zwi-schen 1843 und 1907.



Carl Gussow: Bei der Kranzbinderin, Öl auf Leinwand, 1878.


 

 

 

 

 

 

Mancher Maler widmete sich vielleicht auch der Kamelie, weil er selbst in seiner Be-wegung eingeschränkt war und ein Topf dieser Pflanze nun mal da stand. In unserer Sammlung befindet sich ein Bild, welches zur Ausstellung auch zu sehen sein wird, des Dresdners Hermann Lange (1890 - 1939). In Folge einer durch Unfall hervorgerufenen linksseitigen Lähmung konnte er nur schwer seine Wohnung verlassen. So malte er ein Jahr vor seinem Tode den Kamelientopf an seinem Fenster. Ein sehr eindrückliches Bild.


Hermann Bruno Richard Lange: Stillleben mit Kamelie, Öl auf Leinwand, 1938.
















Unser liebstes Bild aber aus der eigenen Sammlung schuf Arno Drescher (1882 - 1971). Wenige Blüten in einem Glas leuchten den Betrachter aus dunklem Hintergrund an. Auch er hatte seine künstlerische Heimat in Sachsen. Sein Atelier befand sich in Dresden Blasewitz.


Arno Drescher: Stillleben mit Kamelien, Öl auf Hartfaser, Mitte 20. Jh.

 














Von der Städtischen Galerie Dresden erwarten wir zwei besondere Leihgaben. Hermann Prell entwarf im Jahre 1901 mit schwarzer Kreide eine Studie eines blühen-den Kamelienzweiges. Gedacht war dieser für das Deckenbild "Sturz der Titanen" im Treppenhaus des Albertinums. Deutlich moderner ist das zweite Werk. Stefan Plenkers schuf in seinen "Pillnitzer Elegien" aus dem Jahre 1998 ein Blatt zur berühmten Kame-lie. Dabei beschäftigte ihn ein Ereignis von 1905. Damals brannte aus Unachtsamkeit bei klirrender Kälte das Schutzhaus ab. Durch einen Eispanzer gefrorenen Löschwassers konnte die Kamelie überleben. Dieter Hoffmann steuerte dazu einen lyrischen Text bei. Sicher ist es nicht falsch, wenn zwischen Sachsen als Wiege der europäischen Kame-lienproduktion und der recht ansehnlichen Anzahl von Künstlern dieses Landes, die Kamelien malten, ein Zusammenhang herstellbar ist. Auch unsere derzeitigen Kamelienmaler, mit denen wir schon lange Jahre verbunden sind, entstammen alle vier der Meißner Malschule. Mit zum Gelingen der Ausstellung werden Gudrun Gaube, Irene Barkmann, Monika Zeinar und Horst Bretschneider beitragen. Gezeigt werden Bilder unserer Sammlung, aber auch aktuelle Werke dieser Künstler.

01.03. - 10.04.2017
Kamelienschau
Die Kamelienschau unterteilt sich in:

01.03. - 09.04.2017
Kamelienblüte in den Glashäusern
Ausstellung der Sächsischen (Seidelschen) Kameliensammlung mit einer Vielzahl historischer Sorten v.a. des 19. Jahrhunderts auf 1500 m² Schauglasfläche. Die Hauptblüte ist Ende März zu erwarten.

04.03. - 12.03.2017
XIV. Deutsche Kamelienblütenschau im Landschloß
Kamelien in der europäischen Malerei
Die schönsten Kamelienblüten aus ganz Deutschland werden in besonderen Gefäßen in den festlichen Räumen des Landschlosses präsentiert. Das Publikum wählt die schönste Blüte Deutschlands (in Zusammenarbeit mit der Mitteldeutschen Kameliengesellschaft).

14.03. - 09.04.2017

XIV. Sächsische Kamelienblütenschau im Landschloß
Der Übergang von der Sächsischen Kamelienblütenschau zur Azaleenschau wird in der Zeit vom 11.04. - 14.04.2017
entsprechend der Blühentwicklung fließend gestaltet.
Die Ausstellung bleibt geöffnet!

15.04. - 01.05.2017

XI. Azaleenschau im Landschloß
Die Sammlung der ehemaligen "Königlichen Hofgärtnerei zu Pillnitz" umfasst heute 360 historische Sorten und wird im Schloss präsentiert.

Eintritt: 5,00 € / ermäßigt 4,00 €
Geöffnet:
Dienstag bis Sonntag und feiertags von 10.00 - 17.00 Uhr Zusätzlich nur im März: Montag von 10.00 - 16.00 Uhr

www.kamelienschloss.de



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Landkreisgalerie der "Sächsisch-Böhmischen Schweiz"
Die Botanischen Sammlungen Zuschendorf sind um eine Attraktion reicher. Die Landkreisgalerie der Sächsisch-Böhmischen Schweiz erwartet im Landschloss Zuschendorf ihre Besucher.

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Standesamtliche Trauungen sowie Schloss- und Gartenführung im Landschloss Pirna-Zuschendorf
Magret Scheerer berät Sie gern zu den Möglichkeiten einer standesamtlichen Trauung im Landschloss und zu Führungen durch die Botanischen Sammlungen
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Trauungen im Landschloss Zuschendorf

 



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