Die Seidelsche Kameliensammlung

Die Kamelie steht im ständigen und wohl ewig unentschiedenen Wettstreit mit der Rose um die schönste Blume der Welt. Doch sie hat noch viel mehr zu bieten, vor allem bei der Verwendung von Blättern, Holz, Wurzeln und Samen tritt Überraschendes zu Tage.

"Im leuchtenden Haar der Geisha spiegelt sich das Licht des Mondes" -
Das Kamelienöl

Die holzigen, fachspaltig öffnenden Fruchtkapseln enthalten 1 bis 8 Samen. Diese Samen werden nach der Ernte getrocknet, dann zu einem groben Pulver zerstampft, später gekocht und kalt gepresst. Es entsteht ein geruchsneutrales, lange haltbares, temperaturstabiles, nicht flüchtiges und auch nicht harzendes Öl. Die Jahresproduktion allein in China beträgt 150 bis 200 Tausend Tonnen. Das Anbaugebiet umfaßt 3,7 Milionen Hektar und liegt in den südlichen Gebirgsregionen Chinas. Weitere Anbaugebiete für Ölkamelien gibt es in Japan und Vietnam. Etwa 80 % der Produktion entfallen auf Camellia oleifera Abel, einen kleinen, bis 6 m hohen Baum mit einfachen weißen Blüten.

Die genügsame Ölkamelie wird auf kargen, anders kaum nutzbaren, verwitterten Steinböden angebaut. Spezielle Öle werden aber auch aus Camellia sasanqua Thunb., Camellia sinensis Kuntze und Camellia japonica L. gewonnen. Oftmals werden aber nicht die reinen Arten, sondern auf ölreiche Samen selektierte Typen angebaut. Aus der Sektion Oleifera beginnt man neben der traditionellen C.oleifera Abel auch die Arten C.gauchowensis Chang und C.vietnamensis Huang ex Hu zunehmend zu nutzen. Camellia semiserrata Chi, C.chekiangoleosa Hu und C.reticulata Lindl. gelten als die wertvollsten Ölkamelien der 33 Arten der Sektion Camellia. Begonnen wird auch mit der Ölnutzung von C.crapnelliana Tutch. (Sektion Furfuracea) und C.grijsii Hance (Sektion Paracamellia).

Letztendlich enthalten die Samen aller 200 bekannten Arten auch Öl. Als Handelsbezeichnungen der Öle finden wir u.a. neben "Kamelienöl" auch die Bezeichnung "Kameliensamenöl", "Tsubakiöl" (Tsubaki ist die japanische Bezeichnung für Kamelien), "Teesamenöl", "Camellia kissi-oil", "Tsubaki-abura" u.a. Die einzelnen Öle der verschiedenen Arten unterscheiden sich stark im Gehalt an verschiedenen Säuren und werden so auch unterschiedlich genutzt.

Glänzendes Haar

So mancher wird sich schon gefragt haben, wie der Glanz in das Haar der Japanerinnen kommt. Üblich ist die Verwendung von C.oleifera-Öl. Eiweiße und Fettsäuren dringen in die Oberflächenstruktur der Haare ein und glätten die äußere Schicht. Dadurch erhält das Haar einen natürlichen Glanz.

So wird es gemacht: Man nehme je nach Haarlänge 1 - 2 Esslöffel erwärmtes Kamelienöl und massiere dieses in das Haar ein. Nach 15 - 20 Minuten Einwirkung wird das Haar mit Shampoo und Wasser gründlich gewaschen. Das Öl gibt dem Haar Glanz und Fülle. Man sagt, das Licht spiegelt und reflektiert sich auf geheimnisvolle, zauberhafte Weise.

Schöne Haut

Auch dafür findet vor allem das Öl von C. oleifera Verwendung. Sein hoher Ölsäuregehalt hat glättende und einhüllende Wirkung und kann Wirkstoffe gut in die Haut schleusen. Kamelienöl hat starke hautregenerierende Eigenschaften und kann diese daher verjüngen. Die Tätigkeit der Hautzellen wird angeregt, die Haut wird weicher und elastischer, Fältchen werden geglättet. Strapazierte Haut wird vor Umwelteinflüssen geschützt; der Feuchtigkeitsverlust wird vermindert. Gerade für empfindliche Haut, die auf Wind und Wetter mit Rötungen und Reizungen reagiert, verschafft Kamelienöl Linderung. Das Öl wirkt entzündungshemmend und antiallergisch, die Haut wird widerstandsfähiger. Hergestellt werden Salben, Cremes und Seifen. Kamelien sind ein Jungbrunnen für die Haut!

Hilfreich in der Küche

Kamelienöl wird zum Backen und Braten benutzt. Das Fettsäurespektrum ähnelt dem des Olivenöls. Durch den hohen Ölsäureanteil reduziert es Cholesterin im Blut. Es frittiert sehr knusprig und ist daher das optimale Temperaöl. Die im Öl enthaltene Linolensäure ist ein essentieller Nährstoff und muss deshalb in ausreichender Menge dem Körper mit der Nahrung zugeführt werden.

Kein Rost an Schwert und Messer

Vor allem das Öl von Camellia japonica L. sollen die japanischen Samurai zur Pflege ihrer edlen Schwerter genutzt haben. Hochwertige Klingen bestehen meist aus unlegiertem Kohlenstoffstahl. Dieser ist nicht rostfrei. Zur Pflege und Konservierung ist ein dünnflüssiges, säurefreies, nicht flüchtiges und nicht harzendes Öl notwendig. Das Öl darf aber keinesfalls einem Raffinationsprozeß unterzogen worden sein, weil dabei wichtige Inhaltsstoffe verloren gehen. Heute denkbare Anwendung neben dem Rostschutz von Rüstung und Waffen im Museumswesen ist natürlich auch die Pflege von guten Küchenmessern und Werkzeugen.

Holzschutz

Das niedrigviskose Öl zieht schnell in Holzoberflächen ein und schützt vor Nässe, UV-Strahlung und Verschmutzung. Außerdem verbessert es die Polierbarkeit und ist gut mischbar mit anderen Pflanzenölen. Rein verwendet ist es klar und nicht verfärbend. Daher bringt es die natürliche Schönheit der Maserung zur Geltung. :

Weitere Nutzungen seien kurz erwähnt:

- Enthaarungsmittel
- Lederpflegemittel
- Waschmittelzusatz zur Hautschonung
- Beimischung zu Schokoladen
- Schmiermittel in der Feinmechanik für wertvolle Uhren und anderes
- Tusche für Seidenmalerei aus dem Ruß des Lampenöls
- Lampenöl in früheren Zeiten

Neben der Ölgewinnung werden die Samen der Kamelie auch im Kunsthandwerk verwendet, z.B. für Puppenaugen oder Halsketten.

Heilwirkung

Kamelienöl überreichten schon die japanischen Botschafter an den chinesischen Höfen der Sui- und Tang-Dynastien. Diese Geschenke wurden wegen der heilenden Kräfte sehr geschätzt (Shoku Nihongi, 796 n. Chr.).

Dem Öl wurden folgende Wirkungen zugesprochen:
- Vorbeugung hohen Blutdruckes
- Senkung des Cholesteringehaltes im Blut
- krebsverhütende Eigenschaften (Antioxydantien)
- Regulierung des Hormonhaushaltes, sorgt für Ruhe und Gelassenheit (Gamma-Linolensäure)
- wirkt antibakteriell Nicht nur die Samen, auch das Pericarp (Fruchtwand) der Kapsel wird genutzt.

Darin enthalten sind Gerbsäuren, die bei der Herstellung von Klebstoffen und der Betonfestigung Anwendung finden.

Das Böse vertrieben - Kamelienholz

Ein alter chinesischer Brauch, der von Japan übernommen wurde und teilweise heute noch als Zeremonie abgehalten wird, ist das Vertreiben böser Geister mit einer Rute aus Kamelienholz. Diese gehörte zu den Utensilien buddhistischer Priester bis zur Edo-Periode. Man glaubte an die geheimen Kräfte der Kamelie, das Schlechte zu bestrafen und das Böse zu vertreiben.

Bestätigt wurde dies durch die Erzählung, dass im Jahre 83 der zwölfte Kaiser Keiko (Keigyo) einen wilden Stamm im Bungo Distrikt befriedete, weil seine Krieger Waffen aus Kamelienholz trugen. Hier werden schon die Eigenschaften des Holzes deutlich. Kamelienholz ist sehr hart, daneben feinporig, schwer und nach der Bearbeitung glänzend. Neben Waffen und rituellen Gegenständen wurde es auch zum Weben genutzt, wie auch zur Herstellung von Werkzeugen, landwirtschaftlichen Geräten, Tellern und Tassen. Auch Kämme und Kokoshi-Puppen stellte man daraus her. Wichtig war das Holz auch zur Herstellung von Holzkohle. Der hohe Brennwert und die Eigenschaft, dass die Kamelienkohle beim Verbrennen keine Funken sprühte, machte sie zum Kochen und Heizen in den damaligen Holzhäusern besonders wertvoll. Selbst die Holzasche war noch als Katalysator zur Herstellung von Purpur- und Safranfarben nützlich.

Knochenbrüche - Kamelienwurzeln helfen

Die Wurzeln der Camellia oleifera Abel werden zur Behandlung von gebrochenen Knochen genutzt. Ebenso sollen sie bei Brandwunden Anwendung finden.

Getrunken oder gekaut - Vom Blatt zum Tee

Über Tee ist schon so unendlich viel geschrieben worden; da muss keine zusätzliche Abhandlung folgen. Wir wollen uns vor allem auf die Verwendung und Wirkung beschränken. Wichtig ist, erst einmal zu wissen, dass der Tee, den wir trinken - ob grün oder schwarz - eine Kamelie ist!

Mit 3 Millionen Tonnen Jahresproduktion ist das Blatt nun also auch der ökonomisch wichtigste Teil der Kamelie. Allein 26.000 Tonnen davon werden in Deutschland getrunken. Die klassischen Teekamelien sind Camellia sinensis L. var. sinensis und Camellia sinensis L. var. assamica.

Aber auch andere Kamelien werden in geringem Maße als Tee genutzt. Dazu gehören z.B. die gelbblühende Camellia nitidissima Chi oder Camellia ptilophylla Chang zur Herstellung des Weißen Tees (white hair tea). Einige, wie Camellia sasanqua Thunb. dienen zur Beimischung, um den Duft zu verstärken. Teetrinken ist in China seit fast 5000 Jahren bekannt. Von der Medizin entwickelte sich der Tee zum Volksgetränk.

Den Japanern verdanken wir die Teezeremonie, ein in kriegerischen Zeiten entstandenes Ritual, wobei alle Teilnehmer in eine heitere Stimmung der Ruhe und der Verbundenheit mit der Natur versinken. Wann wirklich die ersten Kamelien, ob als Zierpflanze oder Tee, Europa erreichten, liegt völlig im Dunkeln. Um 1610 soll die Holländische Ostindische Kompanie den ersten Tee nach Holland gebracht und dort zu horrenden Preisen als Medizin verkauft haben. England erreichte die erste Schiffsladung Tee aus Macao etwa 1650.

Anfänglich wohl auch wegen des schlechten Zustandes nach langer Reise als Heuwasser betitelt, wurde das Teetrinken bald sehr beliebt, munterte der Trunk doch auf, ohne zu berauschen. In Deutschland wird der Tee vorerst auch als Medizin in den Apotheken gehandelt: 1657 in Nordhausen und ab 1683 auch in Dresden. George Meister, geborener Thüringer und späterer churfürstlicher Hofgärtner in Dresden, bereiste mit der Holländisch-Ostindischen Kompanie zwischen 1677 und 1687 dreimal Japan. 1692 veröffentlichte er in Dresden sein Buch: "Der Orientalisch-Indianische Kunst- und Lustgärtner", in dem er sowohl Kamelien als auch Teepflanzen beschrieb.

Der Wunsch, die Teepflanze auch in Europa anzubauen, um die langen Seewege zu sparen, kam vor allem in Schweden und England auf. Die Chinesen wollten ihr Teemonopol aber keinesfalls aufgeben und verkauften statt der echten Teepflanzen oft Zierformen der Kamelie. Es könnte auch einfach eine Verwechslung gewesen sein, denn die Chinesen machten kaum Unterschiede zwischen den angebauten Teepflanzen und den Zierformen im Garten. Blühende Kamelien hießen "Wilder Tee" oder "Bergtee des Südens".

Ein zweites Problem war der lange Transportweg per Schiff von bis zu einem Jahr, auf denen das Trinkwasser meist knapp wurde und die Pflanzen selten überlebten. Die Keimfähigkeit der Samen lässt nach 4 - 6 Monaten stark nach. Die Lösung lag in der Aussaat auf dem Schiff. Diese Idee Linnés ermöglichte, dass 1762 tatsächlich die ersten Pflanzen nach Schweden kamen. Das Klima war aber viel zu rau und man musste den erhofften Teeanbau aufgeben.

Im südlichen England waren die klimatischen Bedingungen zwar günstiger, doch auch hier konnte sich die Teeproduktion aus wirtschaftlichen Gründen nicht durchsetzen. Der Siegeszug in Europa gehörte eher den Zierformen, von denen 1792 Captain Connor von der Britischen Ostindischen Kompanie die ersten zwei, 'Alba Plena' und 'Variegata', einführte. Wenn man im alten China und Japan von Tee spricht, ist immer Grüntee gemeint. Relativ kurz bevor der Tee nach Europa gelangte, entwickelten die Chinesen, wohl um Lagerung und Haltbarkeit zu verbessern, Ende des 16. Jahrhunderts den Schwarztee.

Wegen der ähnlichen Aussprache seiner ursprünglichen Herkunftsregion, dem Wuyi-Gebirge, nannte man ihn Bohea Tee (Thea bohea L.) Anfangs war den Naturforschern nicht klar, dass Schwarz- und Grüntee von derselben Pflanze stammen und dass es Kamelien sind. Auch Carl von Linné unterschied 1762 immer noch zwischen Thea viridis L., dem Grüntee und Thea bohea L., dem Schwarztee.

Der bekannte Botaniker Robert Fortune stellte dann bei seinen langjährigen Wanderungen durch China im Auftrag der Königlichen Englischen Gartenbaugesellschaft klar, dass beide Tees von ein und derselben Pflanze stammen und dass der Schwarztee lediglich eine Verarbeitungsstufe ist. Im Jahre 1822 ordnete der Hildesheimer Botaniker und spätere Direktor des Botanischen Gartens Berlin-Dahlem, Johann Heinrich Friedrich Link, den Tee endlich unter der Gattung Camellia ein. Die Erkenntnisse Fortunes ignorierend, allerdings wieder als zwei Pflanzen, Camellia viridis Link und Camellia thea Link.

Erst Carl Ernst Otto Kuntze, Botaniker und Weltreisender aus Leipzig, führte die heute noch gültige Bezeichnung für Schwarz- und Grüntee, Camellia sinensis (L.) O.Kuntze ein. Der älteste bekannte Teebaum soll in einem Urwald im Süden Yunnans wachsen und 2700 Jahre alt sein. Es wird vermutet, dass die ursprüngliche Camellia sinensis, die in den südwestlichen Bergregionen Chinas beheimatet war, kein natürliches Vorkommen mehr hat. Für den Teeanbau sind zwei Varietäten wichtig. Camellia sinensis var. sinensis wird 3 bis 4 m hoch, wächst im subtropischen Klima bis in Höhenlagen von 2000 m und verträgt leichten Frost.

Camellia sinensis var. assamica wurde 1823 in den Wälder Indiens entdeckt. Sie hat deutlich größere Blätter als ihre chinesische Schwester, kann Höhen bis 15 m erreichen und benötigt aber tropische Wärme und hohe Niederschläge (1300 mm/Jahr). Geerntet werden zwei Spitzenblätter und die Knospe. Das geschieht einmal im Frühling ("First Flush") und einmal im Sommer ("Second Flush"). Beste Teequalitäten lassen sich nur in Handarbeit erzielen.

Die einzelnen Teesorten unterscheiden sich durch ihre Behandlung:

- Grüner Tee (Theae viridis folium):
Die frischen Teeblätter werden kurz erhitzt, im Wechsel zweifach gerollt und getrocknet.

- Schwarzer Tee (Theae nigrae folium/Theae bohea folium):
Die frischen Blätter werden angewelkt, teilgetrocknet, gerollt, fermentiert und zum Schluss bei hohen Temperaturen getrocknet.

- Oolong-Tee:
Die Blätter werden nur halbfermentiert, sind an der Oberfläche schwarz, aber im Inneren grün.

- Weißer Tee:
die jungen Blätter werden nur gerollt und getrocknet.

Die Wirkung und damit der Nutzen basiert auf den Inhaltsstoffen und deren Zusammenspiel. Dabei sind der Verarbeitungsgrad und die Zubereitung von entscheidender Bedeutung. Die Bildung der Inhaltsstoffe ist z.T. lichtabhängig. Deshalb werden spezielle Schattentees angebaut.

Coffein, Theobromin und Theophyllin sind die Stimulanzien im Tee.

Chemisch gesehen handelt es sich um Purinalkaloide, komplizierte Stickstoffverbindungen alkalischen Charakters. Die Bedeutung für die Pflanze ist noch unklar; man vermutet ihren Nutzen als Fraßgift. Die Wirkung auf den Menschen kann die Wissenschaft schon genauer beschreiben:

Coffein - die geistige Frische
Das Coffein des Tees, auch bezeichnet als Koffein, Thein, Tein oder Teein ist chemisch mit dem des Kaffees identisch und wohl die wichtigste der drei Stimulanzien. Die beschriebenen Wirkungen:
- Anregung des zentralen Nervensystems
- Steigerung der Leistung und Aufnahmefähigkeit
- Verbesserung des Konzentrations-, Reaktions- und Lernvermögens
- Verbesserung der Stimmung
- Verringerung des Schlafbedürfnisses
- Erhöhung von Herzleistung und Blutdruck
- Schmerzlinderung

Theobromin - die dauerhaft gute Stimmung
Die Wirkung ist ähnlich der des Coffeins, nur deutlich schwächer. Theobromin soll dauerhaft anregend und stimmungsaufhellend wirken. Bekannt ist das vor allem von Schokolade und Kakao, in denen der Stoff in deutlich größeren Mengen als im Tee vorkommt. Auch bei der Linderung von Hustenanfällen wird dem Theobromin eine Wirkung nachgesagt.

Theophyllin - Leistungssteigerung des Herzens
Während die richtige Dosis die Leistung des Herzens steigert, führen Überdosen zu Herzrhythmusstörungen. Wichtig ist der therapeutische Einsatz gegen Bronchialasthma. Die drei Stimulanzien des Tees sind an Gerbsäuren (Polyphenole) gebunden. Dadurch nimmt der Körper - im Gegensatz zum Kaffee - das Coffein langsamer und längerwirkender auf.

Das Wechselspiel zwischen Stimulanzien und Gerbsäuren muss der Teetrinker beherrschen. Zieht der Tee kurz (2 - 3 Minuten) wirkt er aufmunternd, da sich die Stimulanzien schnell lösen. Zieht er 5 Minuten, dann kommen die Gerbstoffe zur Entfaltung und es tritt eher eine beruhigende Wirkung ein. Auch gibt es beim Teetrinken einen Gewöhnungseffekt. Das heißt, die Leistungssteigerung verlangt immer höhere Dosen. Will man dann den Konsum einschränken, kann es zu Entzugserscheinungen kommen, die z.B. Kopfschmerz hervorrufen.

Theaflavin, Thearubigin und Epigallocatechin sind die wichtigsten Gerbstoffe (Polyphenole) des Tees. Für die Medizin sind sie der interessanteste Teil des Kamelienblattes.

Epigallocatechingallat (EGCG) - der Wunderstoff gegen den Krebs

Japanische Studien ergaben, dass EGCG die Entstehung von Tumoren in Verdauungstrakt, Lunge, Leber und auf der Haut nachweislich hemmt. An Geschwüren im Darm war sogar eine heilende Wirkung möglich. Der Forscher Dr. Hirota Fujihi geht dabei aber von einer Dosis von 1 Gramm EGCG pro Tag aus, was 6 - 7 Tassen Grünen Tees entspricht. Daher sei vor zuviel Optimismus gewarnt, denn die meisten Erfolge der forschenden Wissenschaftler stellten sich bei übernormalen Dosen ein.

Dem gleichen Mittel sagt man weitere, sehr interessante Eigenschaften nach:
- Bekämpfung von Viren und Stärkung des Immunsystems (Anwendung in der Aidsforschung)
- Senkung der Cholesterinwerte
- Vorbeugung von Herz- und Kreislauferkrankungen
- Normalisierung des Zuckergehaltes im Blut

Theaflavin und Thearubigin - Bitterstoffmacher und Farbe des Tees

Aus Theaflavin (orangeroter Farbstoff des Tees) entsteht durch Polymerisation Thearubigin (der rotbraune Farbstoff des Tees).

Neben der Farbe sind diese Gerbstoffe die Bittermacher des Tees. Das Theaflavin ist im Zusammenspiel mit Fluor für unsere Zähne sehr förderlich. Der Stoff kann Bakterien hemmen und töten. Die Umwandlung von Stärke in Zucker, der den Bakterien als Nahrung dient, wird gestoppt. Trinkt man jedoch Tee mit viel Zucker, bleibt die Funktion des Theaflavins wirkungslos.

Darüber hinaus werden den Gerbstoffen (Polyphenole) eine Reihe von Heilwirkungen nachgesagt, wobei das Thearubigin durch die Polymerisation einen großen Teil der antioxydativen Wirkung verliert:
- entzündungshemmend
- Beruhigung von Magen und Darm
- Heilen der Atemwegsschleimhäute bei Erkältungen
- Minderung des Herzinfarktrisikos durch Verhinderung von Cholesterinablagerung in den Arterien

Sollen die Gerbstoffe ihre beruhigende Wirkung entfalten, muss der Tee 5 Minuten ziehen. Dann lösen sich die Gerbstoffe und binden das Coffein, welches dann langsamer freigesetzt wird. Durch die Fermentierung (Oxydation) geht der Anteil der Gerbstoffe stark zurück. Schwarzer Tee kann dadurch nur begrenzt wirken.

L-Theanin - der Gegenspieler des Coffeins und der Gerbstoffe

Die Wirkungen dieser Aminosäure werden wie folgt beschrieben:
- beruhigend
- entspannend
- streßlösend
- blutdrucksenkend

Damit wirkt L-Theanin dem Coffein entgegen. Außerdem sorgt dieser Stoff für angenehmen, frischen Geschmack des Tees. Mit seiner Süße ist Theanin das Gegenstück zu den Gerbstoffen. Auch hier gilt wieder, dass die Fermentation zum Abbau des Theanins führt, d.h. vor allem im Grüntee reichlicher vorhanden ist.

Fluor - der Weg zu gesunden Zähnen

Das Fluor der Kamelie schützt vor Karies, Knochenschwund und Arterienverkalkung. Eine Tasse Tee am Tag soll genügen, um die Kariesgefahr bei Kindern um die Hälfte zu reduzieren. Im alten China gurgelte man oder spülte den Mund mit Tee. Das Zusammenspiel mit dem Gerbstoff Theaflavin erhöht den Effekt durch die Bildung eines bakterienhemmenden Schutzfilmes auf den Zähnen.

Vitamine mit vielfältiger positiver Wirkung

Genannt seien hier die im grünen Tee enthaltenen Vitamine A, B1, B2, B3, B5, C, E und K. Besonders hohe Gehalte finden wir bei den Vitaminen A und C. Abwehrkräfte werden gestärkt (Vitamin C), Nerven und Stoffwechsel positiv beeinflusst (Vitamin B). Nur erwähnt werden sollen hier weitere Bestandteile des Kamelien-Tee-Blattes: Mineralien, ätherisches Öl, Wachs, Harz, Chlorophyll und Wasser.

Ältere Schriften bieten uns noch eine Reihe von Verwendungen des Tees als Hausmittel an. Davon seien hier einige genannt, die vielleicht nicht alle wissenschaftlichen Untersuchungen standhalten würden:
- Stopfmittel gegen Durchfall
- Gegenmittel bei Vergiftungen durch narkotisch-scharfe Pflanzenalkaloide
- Schutz vor Gicht und Steinkrankheit
- Heilung entzündeter Augenlider
- Beruhigung der Blutwallung und der Nerven
- Mittel gegen den weißen Fuß
- Mittel gegen Engbrüstigkeit

Tee der nicht getrunken wird

Neben dem Trinken des Tees ist in den Heimatländern auch das Kauen der Blätter üblich. Bestandteile des Grüntees findet man heute auch oft in Kapseln sowie bei Anwendungen im medizinischen und im Wellnessbereich. Selbst zum Abnehmen werden Kapseln mit grünen Teeextrakten angeboten (Diätpillen). Weitere Beispiele sind Schokoladen und Pralinen. Die Abfälle der Teeproduktion werden für die Pharmazie zur großtechnischen Gewinnung von Coffein genutzt. Auch ein späterer Aufguss des Tees, den man nicht recht trinken möchte, kann verwendet werden. Kenner wissen, dass so gefärbte Stoffe ein sehr dezentes Aussehen erhalten.

Kamelien schützen Pflanzen und Tiere

Auch für Aquarienfreunde ist der grüne Tee eine interessante Pflanze. Ein zweiter, lang ziehender und damit viele Gerbstoffe freisetzender Aufguss hilft gegen Pilzinfektionen, Flossenfäule und andere Krankheiten der Fische. Ist der Aufguss zu stark, dann sterben die Apfelschnecken. Dies geht auf die Wirkung der Saponine zurück. Wirtschaftlich macht man sich diesen Effekt zur Schneckenbekämpfung auf Reisfeldern zu nutze.

Ist die Kamelie ein biologisches Pflanzenschutzmittel der Zukunft?

Kamelien sind sehr widerstandsfähig gegenüber Krankheiten. So lag die Vermutung nahe, dass sie Inhaltsstoffe mit bakterizider oder fungizider Wirkung enthalten. Eine Diplomarbeit von Claudia Karzig, erarbeitet an der TU Dresden, Fachrichtung Biologie, befasste sich 1999 mit der fungistatischen Wirksamkeit von Camellia tsaii Hu. Dafür wurden Blätter verschiedenen Alters genutzt. Die fungistatischen Eigenschaften bestätigten sich u.a. bei Rhizoctonia solani, dem Erreger der Umfallkrankheit an Kiefern und Heterobasidium annosum, dem Erreger der Rotfäule an Fichten. Diese Ergebnisse geben Hoffnung und mahnen weiterführende Untersuchungen an. Sicher wäre es auch eine Überlegung wert, inwieweit Abfälle der Tee- oder Ölproduktion zur Herstellung von Pflanzenschutzmitteln genutzt werden könnten. Das große Wunder Kamelie ist noch lange nicht erforscht, schon gar nicht in der Breite der bis heute entdeckten etwa 200 verschiedenen Arten. Deren Schutz sollten uns die bereits bekannten und noch zu erwartenden Entdeckungen wert sein.

 

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