Die Botanischen Sammlungen und das Landschloss Pirna-Zuschendorf
Tief in Sachsens Historie verwurzelt - Schloss und Pflanzen: Kronschatz unter Denkmalschutz

Das Landschloss Zuschendorf liegt unweit des historischen Stadtkerns von Pirna im Seidewitztal, einem Grenztal zwischen Elbsandsteingebirge und östlichem Erzgebirge. Das 1553 erbaute Schloss war Stammsitz eines der größten und bedeutendsten Adelsgeschlechter Sachsens, der Familie Carlowitz. Zur Zeit des politischen Umbruchs in Deutschland im Jahre 1989 glich das Gebäude einer Ruine. Mit der Gründung eines Fördervereins und der Bereitstellung umfangreicher Mittel durch Bund, Land, Landkreis und Spender, begann der systematische Wiederaufbau des Renaissance- und Barockschlosses.

In der zum Schloss gehörigen Parkanlage werden einmalige und für Sachsen wertvolle historische Pflanzen zur Schau gestellt. Mit bedeutenden Sammlungen von Kamelien, Azaleen, Bonsai, Zwergobstbäumen, Hortensien und Rhododendren, werden wichtige sächsische Gartenbautraditionen bewahrt. Die botanischen Sammlungen verbindet neben dem Aspekt der Historie die Tatsache, dass es sich um Pflanzen handelt, welche für die ostasiatische wie sächsische Kultur gleichermaßen von Bedeutung sind. Dies ist bei der Gestaltung des Lustgartens durch die Einbindung sächsisch-chinoasischer Elemente berücksichtigt worden. Weitere Informationen, Anreisemöglichkeiten und Öffnungszeiten finden Sie unter http://www.kamelienschloss.de.

Botanische Sammlungen

Die botanischen Sammlungen befinden sich auf dem Gelände des 1730 unter Sekretarius Johann Georg Stöckel angelegten Lustgartens. Im Jahre 1988 begann die Rekonstruktion des verwilderten und zerstörten Gartens. Im Unterschied zu den meisten botanischen Gärten handelt es sich bei den Kollektionen zum großen Teil nicht um Wildpflanzen, sondern um Kultursorten von Ziergehölzen. Die Pflanzen stellen wichtige sächsische Gartenbautraditionen dar. Ein 1913 erbautes Glashaus der berühmten königlichen Hofgärtnerei, wurde in Pillnitz abgebaut und restauriert - es beherbergt jetzt Kamelien und Efeu in Pirna-Zuschendorf. Die Sammlungen sind auf sieben Schauhäuser und bestimmte Bereiche des Parks verteilt.

Kameliensammlung

Die Kamelie wurde im 19. Jahrhundert zur gefragtesten Modeblume des europäischen Adels. Der Adel fand sein standesgemäßes Vergnügen im Zusammentragen großer Sammlungen. Die in Zuschendorf beheimateten "Seidelschen Kamelien", sind der Kronschatz des sächsischen Zierpflanzenbaus. Johann Heinrich Seidel, Königlicher Hofgärtner in Dresden, schickte seinen Sohn Jakob Friedrich Seidel auf gärtnerische Bildungsreise in viele Länder Europas. Im "Jardin des Plantes" zu Paris, wo erste Kamelien aus Ostasien eintrafen, kam er in Kontakt mit den exotischen Teestrauchgewächsen. Er gründete 1813 gemeinsam mit seinem Bruder eine Gärtnerei für Kamelien in Dresden, welche als erste Spezialgärtnerei seiner Art in Deutschland gilt. Seidel belieferte ganz Europa mit Kamelien und machte den sächsischen Gartenbau weltberühmt.

Seine Nachfahren begrenzten bis 1897 das Sortiment auf weniger als 100 der besten Sorten, welche sich heute vollständig in den Glashäusern von Pirna-Zuschendorf befinden. Unter wissenschaftlicher Betreuung des Botanischen Instituts der TU Dresden wurden die Kamelientypen der Seidelgärtnerei in Zuschendorf um weitere 120 Sorten vermehrt. Die Blütezeit der Kamelien beginnt wetterabhängig Ende Februar/ Anfang März.

Die Zuschendorfer Sammlung - die erste unter Denkmalschutz stehende Pflanzensammlung Sachsens - war Anlass für die Verlegung des Hauptsitzes der Deutschen Kameliengesellschaft nach Dresden.

Azaleen- und Rhododendrensammlung - Sammlung der "Neuen königlichen Hofgärtnerei zu Pillnitz"

Die Heimat der Azaleen ist China, wo sie als kleine Felsensträucher an Gebirgsbächen wachsen. Neben den Kamelien gehörten die Indischen Azaleen und Rhododendren zu den wichtigsten Kulturen der Seidelschen Gärtnerei. Ende des 19. Jahrhunderts war Sachsen neben Gent (Belgien) das bedeutendste Azaleenanbaugebiet Europas. Die Azaleensammlung in Zuschendorf umfasst über 200 verschiedene Sorten, die meisten davon stammen vom genetischen Material der ehemaligen Hofgärtnerei. Ebenfalls Bestände dieser Gärtnerei, sind die im Schlosspark Zuschendorf angepflanzten, großblättrigen Rhododendren. Die Blütezeit der Azaleen ist ca. von April bis Mai - die Rhododendren sind von Mai bis Juni in voller Blüte zu sehen.

Hortensiensammlung

Die aus Japan stammenden farbenprächtigen Hortensien gehören ebenso wie die Kamelien, Azaleen und Rhododendren zu den "Sächsischen Moorbeetkulturen". Mit über 300 Sorten ist die in Pirna-Zuschendorf ausgestellte Hortensiensammlung die vermutlich umfangreichste Sammlung in Deutschland. Die sich seit 1999 in Pirna-Zuschendorf befindlichen Hortensien blühen im Juli und August.

Bonsaisammlung und Obstorangerien im Scherben

Bonsai ist eine über zweitausend Jahre alte Gartenkunst der Chinesen, welche später von den Japanern in der ganzen Welt verbreitet wurde. Sie wurde mit mehreren Religionen, wie Taoismus und Buddhismus verbunden und galt als Ausdruck der Harmonie zwischen Mensch und Natur. Durch die China-Liebe des Kurfürsten August des Starken, war Sachsen auch für die ostasiatische Gartenkunst und somit für Bonsai zugänglich. Ebenso dienten Bonsai als Vorlage, für unter Höroldt bemaltes Meißner Porzellan. In Pirna-Zuschendorf befinden sich die zwei bedeutendsten Sammlungen Ostdeutschlands. Ein Höhepunkt ist die Herbstfärbung der Bonsai-Blätter im Oktober. Zwergobstbäume in Keramikgefäßen bezeichnet man als "Obstorangerien im Scherben". Sie dienten im 18. Jahrhundert an den absolutistischen Höfen Frankreichs und Sachsens als Tischschmuck. Die Besonderheit der ähnlich den Bonsai gestalteten Obstbäume ist, dass deren Früchte, trotz des Einkürzens der Wurzeln, unverändert groß sind.

Efeusammlung

Das immergrüne Efeu symbolisiert in der griechischen Mythologie ungetrübte Heiterkeit, Kraft und nicht welkende Jugend. Die einzige Sammlung ohne ostasiatischen Hintergrund umfasst über 170 Sorten. Holzgestalter und Keramiker der Region schafften ein künstlerisches Umfeld der Efeusammlungen.

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