Nun also auch noch Rhododendronhybriden in Pirna-Zuschendorf

Wer kennt sie nicht, die hübsche Geschichte von der Einführung winterharter Rhododendron- Hybriden in Deutschland? Im Jahre 1865 kaufte Herrmann Seidel im damaligen Dorf und heutigen östlichen Stadtteil von Dresden, in Striesen, Land, um seine Gärtnerei aus innerstädtischem Gebiet zu verlegen, erweitern und modernisieren zu können. Andere Gärtner - insgesamt 52 - folgten bald seinem Beispiel. Auf Grund der enormen Produktion von Kamelien und Azaleen sprach man ehrfurchtsvoll von Seidel als dem "König von Striesen".

Zwischen Lehre und späterer Pflicht als Betriebsinhaber war Herrmann Seidel einige Jahre in der Baumschule John Standish in England. Dort begeisterte er sich für Rhododendron und sollte davon nicht mehr loskommen. So pflanzte er z.T. noch von seinem Vater Jacob Friedrich und aus Standishs Baumschule stammende Rhododendron ins Freie. Ein harter Winter kam und der Fehlschlag war offenbar. Doch dann gab es die freudige Überraschung: Ein aussortiertes und auf den Komposthaufen geworfenes Exemplar trieb Knospen. Seidel benannte diese Sorte nach dem vielfach totgesagten Papst Leo XIII. Die Züchtung winterharter Rhododendronhybriden konnte beginnen.

Tatsächlich waren Herrmann Seidels Bemühungen um den winterharten Rhododendron lange Zeit erfolglos, weil er wie viele andere auf eine Akklimatisierung der Pflanzen hoffte. Dabei hätte er es besser wissen können. Sein Vater Jakob Friedrich Seidel beschrieb schon um 1820 genau, welche Rhododendronarten in Deutschland ausreichend winterhart sind. Nach Einsicht dieses fundamentalen Irrtums, die Akklimatisierung betreffend, begann er in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts mit Kreuzungen und als eine der ersten Neuheiten entstand ‚Jacob Seidel'. Richtig erfolgreich wurde die Züchtung aber erst, als auf Arten als Kreuzungspartner zurückgegriffen wurde. Hier kannte man die Eigenschaften und konnte zielgerichtet an den Entwurf neuer Sorten herangehen. Die nachfolgende Geschichte ist sicher den meisten bekannt.

Um die Schädigung durch Wind und Sonne zu minimieren, kaufte Seidel 1875 einen Kiefernwald in Dresden-Striesen. Um 1887 standen bei Seidel bereits 175000 Rhododendren in Kultur. Um 1920 wurde das ehemalige Versuchsgelände zu einem öffentlichen Rhododendronpark umgestaltet . Der ältere Sohn von Herrmann Seidel, Rudolf, kaufte 1897 das 150 ha große Kiefernmoorgebiet Grüngräbchen bei Kamenz und pflanzte Rhododendron an. Die Durchschnittstemperatur war hier etwa 4 Grad unter der von Dresden, gut für das ehrgeizige Projekt unbedingt harte Pflanzen zu erzielen. Der erste Härtetest kam bereits im Winter 1889/90 mit Temperaturen von minus 33 Grad. Von 110 Arten und Sorten, die sich im Dresdner Elbklima noch bewährt hatten, überlebten 14 - die idealen Kreuzungspartner für die Zukunft!

Dann folgte die großartige Züchtungsgeschichte Seidelscher Rhododendron, die ja u.a. in Walter Schmalscheidts Buch "Die Rhododendren-Züchtung in Deutschland" umfangreich dokumentiert ist. Der Wert der Seidelschen Sorten auch für unsere Zeit wird in einem Bericht von Hanna Grzeszczak-Nowak deutlich. Sie ist die Leiterin des Arboretums Woislowitz, heute zum Botanischen Garten Breslau gehörig. Nach einem strengen Winter in den letzten Jahren, so erzählte sie mir im Sommer 2007, haben in Woislowitz nur noch die Seidel-Sorten geblüht. Dem ist nichts hinzuzufügen.

1910 zählte man im Betrieb Grüngräbchen einen Bestand von 300.000 Rhododendren. Ab 1913 lieferte Seidel 12-15.000 vier- bis fünfjährige Veredlungen zum Verkauf im Jahr. Die letzten Kreuzungen wurden 1938 in Grüngräbchen durchgeführt. Nicht nur das in der Blütezeit tausende Dresdner nach Grüngräbchen fuhren, großes Aufsehen riefen damals Seidels Ausstellungspräsentationen hervor. Schon zur I. Internationalen Gartenbauausstellung 1887 gestaltete die Firma eine eigene Rhododendronhalle, die auch die königlichen Majestäten besuchten. Bei der III. Dresdner Schau 1907 wurde mit Seidels Rhododendron ein ganzes Kaukasustal nachgestaltet.

Zur Kunst- und Gartenbauausstellung 1904 in Dortmund reiste Seidel mit einen Sonderzug von 9 Waggons voller Rhododendron an. Solche Dimensionen sind heute unvorstellbar. Die Franzosen haben die mit der Weltausstellung 1900 verbundene Gartenbauausstellung erst dann zu einer "Internationalen" erklärt, nachdem die "Flora" ihre Bereitschaft zurTeilnahme und T.J.Rudolf Seidel sein Einverständnis zum Vorsitz des Komitees erklärt hatten. Große Anerkennung fanden Seidels Pflanzen u.a. 1893 auf der Columbus-Weltausstellung in Chicago, 1898 in Gent und 1899 in St. Petersburg. . Der russische Zar bat Rudolf Seidel zum Gespräch über Rhododendron; der deutsche Kaiser war begeisterter Kund, auch später noch in seiner holländischen Verbannung.

Gerade die östlichen Märkte sind nach wie vor interessant für Seidel - Rhododendron. Der Wert der Seidelschen Sorten auch für unsere Zeit wird in einem Bericht von Hanna Grzeszczak-Nowak deutlich. Sie ist die Leiterin des Arboretums Woislowitz, heute zum Botanischen Garten Breslau gehörig. Nach einem strengen Winter in den letzten Jahren, so erzählte sie mir im Sommer 2007, haben in Woislowitz nur noch die Seidel-Sorten geblüht. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Ist es schon ein Phänomen, dass die heute großteils hundertjährigen Sorten immer noch von beachtlicher Bedeutung für unsere Gärten und Parks sind, so ist die Züchtungsleistung als solche auch ein wichtiger Teil sächsischer und deutscher Gartenbaugeschichte und sollte entsprechend bewahrt werden. Unsere Sammlungen in Zuschendorf sind ja als Hüter der anderen beiden Hauptkulturen Seidels, der Kamelien und Indischen Azaleen, bekannt. Trotzdem waren wir bisher recht froh, dass die Rhododendronsammlung anderenorts erhalten wurde. Natürlich haben auch wir seit 1989 einige Hybriden Seidelscher Sorten gepflanzt.

Die ursprünglichen Bestände des Gartens waren durch intensive Schnittblumengewinnung in der Nachkriegszeit vernichtet worden. Ein gutes halbes Jahr vor dem politischen Umbruch gab es den "Dresdner Blumenfrühling", eine wunderbare Ausstellung, bei der man sich erstmalig wieder auf die alten Traditionen, vor allem auf die Leistungen der Familie Seidel, besann (1988: 175 Jahre Sächsische Moorbeetkulturen). Die Seidelschen Rhododendronkulturen Grüngräbchen lieferten für die Schau eine Vielzahl von Rhododendren. Diese pflanzten wir anschließend in Zuschendorf auf. Ein zweiter Teil, wiederum Seidel-Sorten, kam dann Anfang der neunziger Jahre nach Liquidierung des VEG Saatzucht Zierpflanzen Dresden durch die Treuhandanstalt. Auf dem Gelände der alten Seidel-Gärtnerei in Dresden-Laubegast (letzter Standort) sollte ein Wohngebiet entstehen. So rodeten wir die noch vorhandenen Bestände und pflanzten sie in Zuschendorf auf.

Nach Umwandlung der ehemaligen "Neuen königlichen Hofgärtnerei zu Pillnitz"(zu DDR-Zeiten Betriebsteil des VEG) in die Landesanstalt für Landwirtschaft wurden umfangreiche Baumaßnahmen realisiert. Und wieder standen Rhododendronhybriden im Weg. Diesmal gehörten sie zu den Aufpflanzungen von Dr. Dänhardt (1909-1986), langjähriger Saatzuchtleiter und erfolgreicher Rhododendronzüchter. Auch diese fanden bei uns eine neue Heimstatt. Damit sollte es genug sein, denn die wissenschaftliche Sammlung existierte ja in Dresden-Wachwitz, wurde vom Freistaat Sachsen gepflegt und durch Herrn Bernhard Knorr fachlich betreut.

Viele sind immer wieder erstaunt, dass der Rhododendronpark Dresden-Wachwitz erst im Mai 1972 eröffnet wurde. Durch die Lage auf dem Gelände des alten Obstgartens der Königlichen Villa erscheint vielen die Pflanzung als eine historische. Tatsächlich war es vor allem die Initiative des oben erwähnten Dr. Werner Dänhardt, Saatzuchtleiter des Instituts für Gartenbau Pillnitz, zu danken. Neben seiner beruflichen Tätigkeit war Dr. Dänhardt auch Gründer und langjähriger Vorsitzender des Zentralen Arbeitskreises Rhododendron im Kulturbund. Mitbeteiligt am Entstehen des Parks waren vor allem Karl Scholz (Leiter der dortigen Gärtnerei), Wolfgang Henke (Landschaftsgestalter) Rudolf Schröder (Technischer Leiter des Botanischen Gartens Dresden) und später Prof. Sigfried Sommer (Dozent der Landschaftsarchitektur an der TU Dresden).

Zur Eröffnung des 1 ha großen Lehr- und Schaugartens gab es 2000 Pflanzen in 80 Arten und 350 Sorten (nach Angaben von Prof.Sommer: 1300 Pflanzen in 85 Arten und 220 Sorten). Diese unterteilten sich in zehn Sortimente:

  1. Seidel-Sortiment, als Kernstück
  2. Oldenburger Sortiment
  3. Pruhonitzer Sortiment
  4. Kleinwachsende Hybriden
  5. Arends-Sortiment
  6. Freilandazaleen
  7. Sonstige für Mitteleuropa geeignete Sorten
  8. Sonstige für Mitteleuropa geeignete Arten
  9. Kalkverträgliche Rhododendron
  10. Industriefeste Arten und Sorten

Die Herkünfte waren vielfältig. Neben Seidel (Grüngräbchen), dem Institut für Zierpflanzenbau Pruhonice, dem VEG Baumschulen und Zierpflanzen Dresden, den Gärtnereien Mittelndorf (Burg) und Herrmann (Doberlug) und der Baumschule Wiesenburg sind vor allem die Botanischen Gärten von Greifswald, Leipzig, Riga, Göteborg wie auch der Forstbotanische Garten Tharandt zu nennen. Wichtig war auch der internationale Samenaustausch.

Welche Erfolge die "Westkontakte" hatten, ist in den Unterlagen nicht klar ersichtlich. Offensichtlich gab es bei der Grenzüberschreitung Probleme. Kontakte gab es u.a. zum Rhododendronpark Bremen, zur Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau Weser-Ems, zum Bund deutscher Baumschulen Weser-Ems, zu Arends nach Wuppertal und zum Botanischen Versuchs- und Schaugarten Gnadenau.

Die Dänhardtschen Züchtungen wurden nach seiner Pensionierung durch Bernhard Knorr im VEG Saatzucht Baumschulen Dresden fortgeführt. Auch die Ergebnisse aus dieser Arbeit wurden in Wachwitz aufgepflanzt. Inwieweit Dr. Dänhardt auf den Arbeiten von Alexander Steffen aufbaute ist dem Autor nicht bekannt. Allerdings liegt dieser Gedanke nahe, da Dr. Steffen sich sehr intensiv in seiner Pillnitzer Zeit mit Rhododendron beschäftigte. Die Standortwahl - auf sehr sandigem Boden bei starker Besonnung - war von Anfang an problematisch und verlangt erhöhten Bewässerungs- und Pflegeaufwand. Damit waren die Schwierigkeiten nach dem politischen Umbruch, einer Zeit, die durch Eigentumsstreitigkeiten und Verkaufsabsichten geprägt war, schon vorprogrammiert

Die Frage des Eigentums wurde gerichtlich gegen das Königshaus Wettin und für den Freistaat entschieden. Den Freistaat vertrat nun der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB). Die Pflege der Anlage erfolgte vorrangig durch ABM- und andere Hilfskräfte. Äußerlich war der Eindruck recht gut. Bei genauerem Hinsehen wurde aber offenbar, dass viele Pflanzen durch Motorsensen "geringelt", d.h. an den Rinden stark verletzt wurden und der Trockenstreß Opfer verlangte. Da es keine Umzäumung gibt, verschwanden auch Pflanzen durch Diebstahl. Dieses bedenkend und auf Grund der Verkaufsabsichten des Staates schrieb Herr Prof. Dr. Christoph Neinhuis (Professor für Botanik und Direktor des Botanischen Gartens der TU Dresden) am 15.04.2004 einen Brief an die SIB. Darin wies er auf die Bedeutung der Anlage in Bezug auf die Erhaltung der genetischen Vielfalt und der Beschlüsse der UN-Konferenz von Rio 1992 hin. Probleme und Lösungsansätze wurden beschrieben

Daraufhin gab es am 05.07.2004 ein Treffen mit Frau Rudolf von der SIB. Neben Problemen des Verkaufs und der Pflege wurde überlegt, ob die besonders gefährdeten Sorten durch Abveredlung und Ansiedlung an einem anderen Standort gesichert werden könnten. Frau Rudolf deutete die Möglichkeit einer Finanzierung an. Am 05.10.2004 gab es dann einen weiteren Termin von Rhododendronfreunden und -experten (Prof. Siegried Sommer, Rudolf Schröder, Bernhard Knorr, Wolfgang Friebel) in Wachwitz. Von den Anwesenden wurden 210 Sorten als für Sachsen besonders wertvoll eingestuft. Neben dem gemeinsamen Willen zum Erhalt des Wachwitzer Gartens wurde ein Plan ausgearbeitet, um das genannte Sortiment sicher zu erhalten. Bernhard Knorr sollte die Reiser schneiden. Bei Seidel in Grüngräbchen sollten anschließend Veredlung und Jungpflanzenanzucht erfolgen.

Herr Roland Puppe von den Staatlichen Schlössern und Gärten bot eine an den Schlosspark Pillnitz grenzende Fläche zur Ansiedlung an. Einige älterer Pflanzen, die vor allem die Wege stark einengten, sollten in Vorbereitung einer Landesgartenschau nach Freital und Tharandt gelangen. Die SIB wollte die Kosten tragen. Gleichzeitig bemühten wir uns um eine Unterschutzstellung durch das Landesdenkmalamt mit Schreiben vom 25.10.2004. Alles hätte also gut ausgehen können und platzte doch wie eine Seifenblase. Die SIB verweigerte die finanziellen Mittel, da das Land Sachsen keine gesetzliche Grundlage vorsieht, in der der Eigentümer einer solchen Sammlung zum Erhalt verpflichtet wird (Fehlender Schutzstatus!). Tharandt und Freital erhielten den Zuschlag für die Landesgartenschau nicht. Unser Antrag an das Landesdenkmalamt blieb unbeantwortet und die Fläche in Pillnitz stand auch nicht mehr zur Verfügung. Alles in allem grandios gescheitert! Inzwischen soll das Gelände verkauft sein, die Anlage soll aber öffentlich bleiben. Das Ende als wissenschaftliche Sammlung ist aber vorprogrammiert.

Nun also kommen die Botanischen Sammlungen Landschloß Pirna-Zuschendorf wieder ins Spiel. Wie anfangs gesagt, wollten wir unsere Rhododendren-Kollektion nicht erweitern. Unsere finanziellen Mittel und Arbeitskräfte sind äußerst begrenzt, der Boden (schwerer Lehm) nicht ideal, die Fläche zu klein. Aber es gab ja keine Wahl mehr. Wäre es nicht mehr als ein Armutszeugnis, wenn in Sachsen, wo die Wiege der Seidelschen Rhododendronhybriden stand, keine umfassende Sammlung mehr für die Zukunft bewahrt würde?

Durch glücklichen Zufall konnten wir im Jahr 2006 eine gegenüberliegende Talaue (3 ha) mit günstigerem Boden erwerben. Ein Drittel der Fläche nutzten wir bisher bereits als Parkplatz, ein weiteres Drittel soll naturbelassene Uferbegrünung der Seidewitz bleiben. Somit könnte1 ha für einen Rhododendronpark genutzt werden. Die ursprünglichen Träume von Investoren, dort über 40 Häuser zu bauen, spülte die Augustflut 2002 kurzerhand fort. Die Ansiedlungsfläche für die Rhododendren würde an einem sanften Hang liegen und wäre vom großen Wasser nicht betroffen. Nun kommen die "Mutmacher": Herr Crome (Präsident der Deutschen Rhododendrongesellschaft), Dr. Schepker (Wissenschaftlicher Leiter des Rhododendronparkes Bremen) und Prof. Sommer. Sie deuteten auch die Möglichkeit finanzieller Unterstützung durch die Rhododendrongesellschaft an. Dann kam der "Macher": Karl Naue aus Chemnitz hat mit 70 Jahren seine Baumschule an die Tochter übergeben. Er fühlt sich aber jung genug, uns zu helfen, durch das Land zu fahren, Reiser zu sammeln und diese für uns auch zu veredeln. So konnten wir im Sommer 2007 die ersten 150 einjährigen Veredlungen bei uns aufschulen. Die Reiser stammen von Seidel aus Grüngräbchen und aus Beständen von Karl Naue selbst.

Ein weiterer Glücksumstand für uns ist, daß wir auf Walter Schmalscheidts Sammelleidenschaft Seidelscher Sorten aufbauen können. Auf dieser Grundlage veredelte uns die Baumschule Fredo Schröder, Wiefelstede 524 Pflanzen in 124 Sorten (Seidel: 122, Liebig: 2). Die zweijährigen Veredlungen konnten wir Pfingsten 2007 bei uns topfen. Im September bepflanzten wir die künftige Rhododendronparkfläche mit 120 Nadelbäumen, die zukünftig als Wind- und Sonnenschutz dienen sollen.

Das ist der gegenwärtige Stand der Dinge. Wie soll es weitergehen? Einmal wollen wir gleiche Sorten verschiedener Herkünfte aufpflanzen. Dr. Schepker hat veranlaßt, daß die Seidel-Herkünfte des Bremer Rhododendronparks für uns veredelt werden. Mit Unterstützung von Karl Naue wollen wir systematisch umliegende Bestände in Parks, Grünanlagen und Gärten für unser Anliegen nutzbar machen. Neben Dresden-Wachwitz gibt es da die großen Pflanzungen im Schloßpark Pillnitz, im Großen Garten, im ehemaligen Seidelschen Park Striesen, auf dem Kamenzer Hutberg oder auch etwas weiter gefasst im Arboretum Woislowitz bis zu Beständen in Tschechien. Die Liste könnte unendlich länger sein, nur benötigt man eben sehr viel Zeit.

Weiterhin gibt es eine Reihe von Betrieben, die nach wie vor Seidel-Sorten produzieren. Nicht zuletzt seien die kleinen Gärten und Parks genannt. Da hilft auch der Zufall. Kürzlich erhielt ich die Nachricht eines Gartenbesitzers in Dresden, dass er die kompletten Unterlagen über die 1895 erfolgten Rhododendronpflanzungen in seinem Garten besitze und die Pflanzen uns zur Reisergewinnung zur Verfügung stünden. Manche Sorte ist sicher so selten, dass man glücklich sein muss, überhaupt eine Herkunft zu finden; bei anderen muss man eher auf Begrenzung achten.

Ein weiterer Aspekt ist natürlich die Frage nach dem Sammlungsprofil. Verfügbare Arbeitskräfte, Finanzen, Fläche und Zeit begrenzen manchen Traum. Die Sortimente von Seidel und Liebig sind der realistische Kern. Auf diesen wollen wir uns konzentrieren. Vielleicht reicht auch irgendwann die Kraft für weiteres. Dazu zählen wir von Seidel eingeführte Rhododendron zum einen und zum anderen auch weitere sächsische Züchter bis zur Gegenwart. Dabei denken wir an die Zuchterfolge von Dr. Walter Dähnhardt und Bernhard Knorr genauso wie an die von Erich Herrmann. Dazu gehören würden aber auch die 14 Arten und Sorten, die nach der strengen Winterauslese am Beginn der Seidelschen Kreuzungen standen. Schon gibt es Vorschläge, auch die Sorten zu sammeln, in denen Seidel-Sorten als Kreuzungspartner verwendet wurden.

Aber nun wollen wir uns erst einmal auf das Machbare und Nahe liegende konzentrieren: Zaun muss gebaut, die Böden verbessert und kultiviert sowie eine Beregnungsmöglichkeit geschaffen werden. Später bedarf es noch des Wegebaus, einer ordentlichen Etikettierung u.v.m. Hilfe, auch über die finanzielle Seite hinaus, ist da sehr willkommen. Standorthinweise seltener Seidel-Sorten, Kopien historischer Unterlagen usw. sind da wichtig. Auch ich selbst, als nicht ganz freiwilliger Verantwortlicher, bin bei weitem kein Rhododendronspezialist und muss mich erst schrittweise einarbeiten. Bisher lagen unsere Schwerpunkte bei Kamelien, Hortensien und Indischen Azaleen.

Bestimmungshinweise alter Sorten, auch spezielle Kulturtipps können unsere Arbeit sehr erleichtern. Wünschen wir uns doch alle gemeinsam, dass der Aufbau der Sammlung gelingt und sie über lange Zeit bestehen bleibt.

Kamelien - Hortensien - Bonsai - Efeu - Zwergobstbäume