Willkommen im Kamelienschloss – der grünen Schatzkammer Sachsens
Im und um das Landschloss Pirna – Zuschendorf werden auf über 6 Hektar, davon 1800 m² Glashausflächen die Zierpflanzen bewahrt, die einst vom Können sächsischer Gärtner in der ganzen Welt kündeten. Sammlungen, wie Kamelien, Azaleen und Rhododendron stehen unter Denkmalschutz. Hortensien und Rhododendron gehören zur Deutschen Genbank Zierpflanzen.
Aktuell befinden sich die Botanischen Sammlungen in Winterruhe. Wir öffnen Schloß und Park mit Glashäusern am 28.2.26 mit der Kamelienblütenschau.
Botanische Sammlungen Landschloß Pirna-Zuschendorf
28. Februar – 19. April 2026
23. Kamelienblütenschau – Warum ist eigentlich der Gärtner immer der Mörder?
Schon in den Kriminalgeschichten von Agatha Christie und Edgar Wallace enttarnte sich der Gärtner letztendlich oft als der Mörder. Spätestens in Reinhard Mey´s Lied mit dem Titel „Der Mörder ist immer der Gärtner“, welches eine Parodie auf die Stereotypen der Romane und Verfilmungen darstellt, ist die Aussage längst zu einer gängigen Redensart geworden. Wieviel Wahrheit steckt in dieser Aussage? Und ist der Gärtner, der seine Pflanzen doch so liebevoll hegt und pflegt, überhaupt in der Lage einen kaltblütigen Mord zu begehen? Dieses Thema soll uns durch die diesjährige Kamelienblütenschau leiten.
Der Garten als Paradies- und Sehnsuchtsort
So alt wie die Menschheit selbst ist die Suche nach dem Paradies, aus welchem Adam und Eva einst vertrieben wurden. Die immer-währende Sehnsucht nach der Rück-kehr in den Paradiesgarten beschäftigt Kunstschaffende aller Epochen bis zum heutigen Tag. Die vielfältigsten Gartendarstellungen sind aus diesen Auseinandersetzungen bereits ent-standen.
Könnte man nicht wenigstens ein Stückchen dieses paradiesischen Gartens zurückgewinnen? Zumindest die Illusion dieses Gartenparadieses kann nur ein erfahrener Gärtner errichten. In seinem Tun spielt er dabei durchaus auch ein wenig „Gott“, indem er gestaltet, eingreift und reguliert.
Ist die heutige Gartensehnsucht auch noch die Suche nach dem Paradies von Adam und Eva? Oder ist es vielmehr eine Suche technisch und medial überreizter Großstadtseelen nach einem harmonischen Leben im Einklang mit der Natur?
Der Beruf Gärtner – eine tägliche Entscheidung über Leben & Tod
Damit ein paradiesischer Garten entstehen kann, wird im Garten täglich über Leben und Tod entschieden. Das vermeintlich „Unschöne“ muss dem „Schönen“ weichen. Unkräuter und Wildwuchs werden herausgerissen und über den Kompost wieder dem Kreislauf des Lebens zugeführt. Schädlinge aller Art, welche das Gartenparadies in Gefahr bringen können, werden verfolgt und vernichtet. Hat der Gärtner denn eine andere Wahl?
Stellen wir uns vor, auf einem lichthungrigen Staudenbeet keimt plötzlich ein Spitzahorn. Lässt der Gärtner diesen wachsen, so entwickelt sich der Ahorn langsam zum mächtigen Baum und verdrängt durch seine große schattige Krone und das umfangreiche Wurzelgeflecht die darunter wachsenden Pflanzen. Beseitigt der Gärtner jedoch den heranwachsenden Baum, erhält er dadurch die Stauden am Leben.
Nicht anders funktionierte dieses Prinzip des Stärkeren in der freien Natur. Beim Kampf um Licht, Wasser und Nährstoffe schalten die Pflanzen nicht nur Konkurrenz, sondern selbst Mitglieder ihrer eigenen Familie aus. Die Natur ist ein Verschwender und hat zunächst für jedes Stück Erde mehr Pflanzensamen bereit, als darauf wachsen können. Es kommt zur natürlichen Auslese und nur die Kräftigsten und Gesündesten setzen sich durch. Nichts anderes macht der Gärtner, nur das die Auswahlkriterien hier Schönheit und Ertrag heißen.
Im Gegensatz zu Berufsfremden, welche manchmal gedankenlos jegliches Wildwachstum ohne Rücksicht auf Nützlinge ausmerzen, tötet ein Gärtner nur das aus seiner Sicht Notwendige. Natürlich muss er täglich seine Schützlinge pflegen und vor vielerlei äußeren Einflüssen schützen. Dabei beobachtet er die Natur und weiß sie sich zu Nutze zu machen. Igel, Frösche, Bienen und vieles andere Getier als Helfer im Garten weiß er zu schätzen und versucht ihnen gute Lebensbedingungen zu schaffen. Wo es möglich ist, lässt er die Natur für sich arbeiten und fördert damit das Gleichgewicht und die Harmonie.
Der Gärtner als Züchter – Züchtung ist gnadenlose Auslese
Um die möglichst schönste und gesündeste Pflanze zu erhalten, betreibt ein Züchter neuer Sorten gnadenlose Auslese. Von oft Tausenden Sämlingen dürfen nur einige wenige Exemplare am Leben bleiben. Alles Schwache, Anfällige oder nicht ins Bild passende wird vernichtet. Der Gärtner schafft erlesene Pflanzenzüchtungen. Er hat eine genaue Vorstellung von dem, was er im Garten sehen will. Erfüllt eine Pflanze dann doch nicht alle Wünsche, wird sie kurzerhand gegen eine Bessere ersetzt.
Die gärtnerische Auslese und Züchtungsarbeit soll anhand der präsentierten Blütenvielfalt der Kamelien sichtbar gemacht werden.
Des Gärtners gruselige Waffenkammer – nicht nur für Pflanzen und Tiere Tod bringende Gerätschaften
Mit diversen Garten-Gerätschaften hat ein Gärtner allerlei Werkzeuge zur Hand, um vielfältigste Morde zu begehen. Da gibt es ein wahres Arsenal an rostigen Geräten zur Fällung & Rodung sowie zur Erziehung und Pflege von Pflanzen, zur Bearbeitung von Rasen und Boden, für Pflanzung und Ansaat aber auch zum Graben und Ausheben sowie zur Ernte. Auch Sägen und Baumzangen, um Bäume bereits vor dem natürlichen Ableben zu fällen, Harken zur Bodenbearbeitung, scharfe Messer, Scheren, Sicheln und Sensen für verschiedenste Anwendungen sowie Spalt- und Hackgeräte.
Da der Gärtner ohnehin ständig in der Erde gräbt, kennt er natürlich genügend Möglichkeiten, die Beseitigten unter die Erde zu bringen und seine Taten zu vertuschen. Aber auch schon die kleinste Verletzung mit rostigem Gartengerät und Schmutz in der Wunde kann zu einer Tod bringenden Blutvergiftung führen und selbst den stärksten Mann umwerfen …
Medizin-, Heil- und Giftpflanzen – „Die Dosis macht das Gift“
Seit jeher werden auf Grundlage fundierten Pflanzenwissens verschiedenste Mittel gegen allerlei Krankheiten und Leiden hergestellt. Ob Schamanen, Wunderheiler, Hexen und Kräuterkundige, aber auch Mönche und Nonnen in den Klöstern, viele wussten über Pflanzenwirkstoffe bestens Bescheid. Jeder pflanzenkundige Gärtner besitzt das Wissen um die todbringende Dosis verschiedenster Pflanzenbe-standteile. Pflanzengifte können bereits in geringen Dosen den Tod bringen und sind in fast jedem Garten zu finden. Aber viele giftige Verbindungen, welche in Pflanzen und Früchten vorkommen, werden in geringer Dosis in der Medizin ebenso genutzt, denn es gilt: „Die Dosis macht das Gift.“
Umso wichtiger sind genaue Pflanzenkenntnisse, um zu wissen, welche Pflanzenteile und Früchten leicht giftig oder aber auch tödlich sein können. Die Anzahl tödlich giftiger Pflanzen, welche in unseren Breiten heimisch sind, ist überschaubar aber präsent. Hinzu kommt eine Vielzahl exotischer Pflanzen, welche durch den globalen Austausch zusätzlich in unser Sichtfenster rücken. An dieser Stelle sollen einige bekannte giftige Wildpflanzen und -früchte wie Liguster, Eibe, Efeu, Gefleckter Schierling, Pfaffenhütchen, gängige Gartenblumen wie Fingerhut und Wolfsmilch aber auch aus dem Alltag bekannte Vertreter, wie Alpenveilchen und Weihnachtsstern, genannt werden. Weitere Beispiele der aktuellen Jahreszeit sind Schneeglöckchen, Buschwindröschen, Blaustern, Grüner Nieswurz, Schneerose und Christrose, Kleines Immergrün, Maiglöckchen, Winterling und Milchstern (Sachsenstern): Diese Vielzahl lässt die Schwierigkeit erkennen: Giftpflanzen sind aus unserem Umfeld und Alltag nicht wegzudenken. Es ist unmöglich, sie alle restlos zu entfernen, um uns, unsere Kinder und Tiere zu schützen. Eher bedarf es eines guten Pflanzengrundwissen sowie eines anerzogenen Respekts vor der Natur in ihrer Vielfältigkeit. Denn die Natur ist voller Schätze, besonders für all diejenigen, die sie richtig einzuordnen wissen. Neben zahlreichen Nutzungen für Zwecke des Heilens und Linderns können manche Pflanzen, Pflanzenteile und -früchte auch giftig, unverträglich oder schädigend sein sowie zu schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen führen.
Morden mit Pflanzengiften – „Das Gift ist die Waffe der Frauen“
Warum mordet angeblich das weibliche Geschlecht vorzugsweise mit Gift? Ist es die Tatsache, dass in den meisten Haushalten die Küche und das Kochen den Frauen unterliegt? Unbemerkt kann bei der Zubereitung der Mahlzeiten Gift untergemischt werden. Dabei können Pflanzengifte sowohl geruchs- als auch geschmacksneutral sein. Manche Gifte wirken mit einer langen Einnahmezeit in kleinsten Dosen und verwischen damit einen vorsätzlichen Giftmord. Auch das Argument, dass Giftmorde ohne große körperliche Anstrengungen vollzogen werden können, spricht für eine solche Wahl. Gift kann sicher, unbemerkt und schnell zum Tode führen. Aber es kann auch ein schleichendes und qualvolles Ableben herbeiführen …
Aber warum nur mittels Pflanzengifts morden, wenn auch der ein oder andere im Garten wachsende giftige Pilz zum Ziele führen kann …
Ist es nicht doch nur ein Klischee, dass bevorzugt Frauen heimtückisch und hinterhältig mittels Gifts morden? Für eine erfolgreiche Anwendung und die nicht Rückvollziehbarkeit werden auf alle Fälle gute Pflanzenkenntnisse benötigt!
Pflanzenschutz- bzw. Schädlingsvernichtungsmittel – „Ein Gärtner braucht ein kaltes Herz und eine scharfe Schere“
Der Gärtner muss jeden Tag Entscheidungen über Leben und Tod treffen, wenn er seine Schützlinge auf Krankheiten und Schädlinge kontrolliert. Zum Pflanzenschutz und für die Schädlingsbekämpfung werden neben alten Hausmitteln und biologischen Mittelchen auch Tod bringende chemische Substanzen eingesetzt. Dabei sollen unerwünschte Pflanzen sowie Unkräuter, aber auch Keime, Pilze, Bakterien und Schädlinge mit verschiedensten Methoden vernichtet werden, um die Pflanzen zu schützen und zu erhalten. Bewusst oder unbewusst falsch angewendet, können daran natürlich auch Menschen erkranken oder sogar zu Tode kommen … So wäre es nur folgerichtig, dass der Ideale anstrebende Gärtner, auch Mitmenschen, die dieses Idealbild stören, ermordet.
Wer nun erschrocken auf diesen Beruf schaut, dem sei gesagt, auch das Paradies ist nicht umsonst. Es hat alles seinen Preis.
Die Kamelienblütenschau 2026
Zur „Deutschen Kamelienblütenschau“ in den ersten Tagen der Veranstaltungszeit werden wieder um die 1000 ausgewählte frische Kamelienblüten aus ganz Deutschland erwartet und in besonderen Gefäßen in den festlichen Schlossräumen des Landschlosses präsentiert. Bereitgestellt werden die Blüten von verschiedenen deutschen Orangerien, Botanischen Gärten und Gartenbaubetrieben sowie von privaten Sammlern. Die Freunde der Mitteldeutschen Kameliengesellschaft werden die Blüten mit gebotener Vorsicht aus allen Landesteilen herbeibringen und zu großen Teilen der Ausstellung an einem Infostand mit Fachwissen zur Verfügung stehen. Das Publikum der ersten Tage wird wieder zur Wahl der „Schönsten Kamelienblüte Deutschlands“ für das Jahr 2026 aufgefordert.
Die Ausstellung wird wieder von Frau Dipl. Grafikdesignerin Bea Berthold gestaltet.
Die Kamelienschau unterteilt sich in:
28.02. – 19.04.2026 Kamelienblüte in den Glashäusern
Ausstellung der Sächsischen (Seidelschen) Kameliensammlung mit einer Vielzahl historischer
Sorten v.a. des 19. Jahrhunderts auf 1500 m² Schauglasfläche. Die Hauptblüte der Kamelien ist Ende März zu erwarten.
28.02. – 08.03.2026 XXIII. Deutsche Kamelienblütenschau im Landschloß mit dem Thema:
„Warum ist eigentlich der Gärtner immer der Mörder?“
Die schönsten Kamelienblüten aus ganz Deutschland werden in besonderen Gefäßen in den
festlichen Räumen des Landschlosses präsentiert. Das Publikum wählt die schönste Blüte
Deutschlands (in Zusammenarbeit mit der Mitteldeutschen Kameliengesellschaft).
09.03. – 19.04.2026 XXIII. Sächsische Kamelienblütenschau im Landschloß mit dem Thema:
„Warum ist eigentlich der Gärtner immer der Mörder?“
Auch weiterhin werden zahlreiche frische Kamelienblüten von sächsischen Standorten in den festlichen Räumen des Schlosses präsentiert.
Im Anschluss:
19.04. – 03.05.2026 XIX. Azaleenschau im Landschloß
Die Sammlung der ehemaligen „Königlichen Hofgärtnerei zu Pillnitz“ umfasst heute 360
historische Sorten. Die blühenden Azaleen werden als Topfpflanzen im festlichen Schloss präsentiert.

Besuchszeiten: Dienstag bis Sonntag und feiertags von 10.00 – 17.00 Uhr,
sowie zusätzlich nur im März: Montag von 10.00 – 16.00 Uhr
Eintritt: 7,50 € / ermäßigt 6,00 € (Schwerbehinderte, Studenten, Schüler)
Botanische Sammlungen Landschloß Zuschendorf
Am Landschloß 6, 01796 Pirna OT Zuschendorf
www.kamelienschloss.de
Weihnachten im Landschloß
„Der Engel Flug“
25.11. – 13.12.2026
Weihnachtliches aus Thüringen und dem Erzgebirge
Schaut man sich frühe Darstellungen von Engeln, etwa bis zur Mitte des 5. Jahrhunderts nach Christi an, dann sieht man: Die haben gar keine Flügel! Natürlich haben sich da die Menschen gefragt, wie kommen die eigentlich zu uns auf die Erde hernieder und wie wieder nach oben? Auf Bildern sieht man Leitern und Treppen für die Himmelsboten.

Erst Mitte des 4. Jahrhundert nach Christus findet man im Christentum Engel mit Flügeln. Auf einem Bild, datiert auf das 4. Jahrhundert in den Katakomben der Via Latina, welches Jakobs Traum darstellt, nutzen die Himmelsboten eine Leiter, um zwischen Himmel und Erde zu wechseln. Quelle Wikipedia.
In einer Zeit, als es noch keine Flugzeuge oder andere Fluggeräte gab, füllten allein die Vögel den Raum zwischen Himmel und Erde. Und da diese nun Flügel hatten, bekamen die Engel kurzerhand auch welche. Zuerst jedoch erhielt diese wohl die Siegesgöttin Nike in der griechischen Mythologie, welche der Viktoria in der römischen entspricht, bevor dies als Vorbild für die christlichen Engel diente.
Zu den wichtigen Ereignissen in den Kirchen zählen die Taufen, wo man nun Taufengel mit Schalen an Seilen herabließ. Das war für die Menschen vorstellbar. Später wurden einige zu Verkündigungsengeln umgeformt und zeigten die Geburt Christi an. Seit der Barockzeit waren diese teils prachtvoll gestalteten Engel auch in vielen lutherischen Dorfkirchen des Erzgebirges verbreitet. Doch schon vor der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden diese wieder, zumindest zeitweilig, aus vielen Kirchenräumen entfernt. Sie galten nun als dem lutherischen Bekenntnis unwürdig und des Götzenkultes verdächtig.

Der Taufengel von Steinbach, gefertigt um 1715 vom Zwönitzer Bildhauer Gottfried Ullrich (1664- 1748), trug ursprünglich eine Taufschale und wurde nach 1876 zum Verkündigungsengel mit Spruchband umgearbeitet. Bild Gunter Lasch, Zwönitz, OT Brünlos.
Doch die Erzgebirgler hatten die oft kindlichen Putten ähnlichen Figuren liebgewonnen und wollten sie nicht missen. Also begann man um die Mitte des 19. Jahrhunderts etwas kleinere, den heimischen Stuben angepasste, zu schnitzen, bemalte diese und ließ sie zur Weihnachtszeit durch die festlich geschmückten Zimmer schweben.

Lößnitzer Schwebeengel mit Blumenkorb, Ende 19. Jahrhundert.
Zur Weihnachtsausstellung in Zuschendorf fliegen sie über ein Meer von Christrosen, aber auch über tief verschneite Lichterhauslandschaften.

Engel fliegen über Christrosen, Ausstellung 2018.
Keine Blume ist den Engeln näher als die Christrose, die zu Jesu Geburt um den Stall herum erblühte und von der wir zu Weihnachten das schöne Lied: „Es ist ein Ros entsprungen …“ jedes Jahr wieder singen. Josef Heuger aus Glandorf am Rande des Teutoburger Waldes züchtet seit Jahrzehnten die schönsten davon. Jedes seiner Blumengesichter ist anders vollkommen und eindrücklich. Eine gute Auslese der neuesten Sorten wird er uns zur Verfügung stellen.

Christrosengesicht der Sorte ‚Pink Flare‘ vom Züchter Josef Heuger aus Glandorf.
Die Engel, die eine solche blühende Wunderwelt von oben beschauen dürfen, sollten gut dafür ausgewählt sein. Wer unsere Zuschendorfer Weihnachtsausstellungen kennt, der weiß, dass fast nur die alten Dinge – von der Zeit gezeichnet, so dass sie Geschichten erzählen können – gezeigt werden. Wenn also eine neu entstandene Engelsschar unseren Luftraum bevölkert, dann heißt das, dass ihre Schöpferin Friederike Curling-Aust Figurencharaktere mit ganz eigener Ausstrahlung schuf. Sie gehört zu den wenigen Menschen, die in der Lage sind, ihre tiefe Gedankenwelt handwerklich vollkommen umzusetzen.

Schwebeengel von Friederike Curling-Aust.

Schwebeengel von Friederike Curling-Aust.

Die Künstlerin Friederike Curling-Aust betrachtet einen aus ihren Händen neu entstandenen Schwebeengel. Foto Brian Curling.
Ihr Rüstzeug dafür bekam sie an der Hochschule für bildende Künste in Dresden beim Studium der Graphik und Malerei. Bilder, Graphiken und Drucke, wie auch eine Malschule füllen ihre eine Seite aus. Bei der „Männelmacherei“ ist dies natürlich genauso von Nutzen.

Entwürfe von Friederike Curling-Aust ,die auf ihre Umsetzung warten. Foto: Curling-Aust.
Das „Erzgebirgische“ aber, das steuerte wohl ihr Vater Ulrich Aust, Dresdens langjähriger Zwingerbaumeister, bei. Er drechselte, schnitzte und bemalte selbst manche Figur. Einige davon landeten im Besitz seines Freundes Volker Berthold, der mit seiner Frau zu den Pionieren des Wiederaufbaus von Schloss und Park Zuschendorf gehörte, selbst „Männel“ baute und langjährig unsere Ausstellungen gestaltete. Auch Ulrich Aust begleitete als Mitglied unseres Fördervereins die ersten Jahre. Seine und Volker Bertholds Figuren bereicherten schon einige Weihnachtsschauen.

Ein Räuchermann, gebaut vom Zwingerbaumeister Ulrich Aust.

Lichtertürke, geschaffen von Volker Berthold.
Nun trifft sich also für die diesjährige Schau die nächste Generation: Bea Berthold als Gestalterin und Friederike Curling-Aust, beide kennen sich aus Kindertagen, zum gemeinsamen Tun in Zuschendorf.
Friederike Curling-Aust arbeitet in der Tradition der besten erzgebirgischen Figurenhersteller, steht genauso sicher an der Drechselbank wie sie auch Schnitzmesser und Pinsel führt.

In der Engelwerkstatt von Friederike Curling-Aust entstehen fliegende und gelandete Engel mit und ohne Flügel, aber auch Bergleute und manch andere Figur. Foto: Curling-Aust.
Und doch entstehen in ihrem Kopf immer neue Bilder, die es erst zeichnerisch und dann handwerklich umzusetzen gilt. So, wie in der Geschichte, in der ein Engel um Gutes auf der Erde zu bewirken, nach und nach seine ganzen Federn hergibt und nicht mehr himmelwärts streben kann, so wird die Künstlerin neben ihren „Schwebenden“ auch Engel oder besondere Menschen mit nach innen wachsenden Flügeln zeigen. Sie tragen Vögel, Kugeln, Blumen, natürlich auch das Licht und viele das Leben bereichernde Dinge. Man muss ihnen in die Gesichter schauen.

Engel ohne Flügel, geschaffen von Friederike Curling-Aust. Foto: Curling-Aust.

Engel ohne Flügel, geschaffen von Friederike Curling-Aust. Foto: Curling-Aust.

Sportlich und humorvoll – Figuren von Friederike Curling-Aust. Foto: Curling-Aust.
Ihre schwebenden Geschöpfe kommen direkt aus der Engelwerkstatt auf die Christrosenwiese geflogen. Diese wird so aufgebaut, dass die Schritte von der Idee bist zur Fertigstellung erlebbar sind.
Aber natürlich wollen wir auch eine Reihe von meist aus der Zeit des zu Ende gehenden 19. Jahrhunderts stammende Schwebeengel zeigen. Viele entstanden meist als Einzelstücke in den Familien, seltener in kleinen Serien, in Schneeberg, Lößnitz oder Seiffen. Mal tragen sie als Verkündigungsengel eine Posaune, mal als Jubelengel ein Schild, oft sind sie mit Palmenwedel, Lichtern oder Blumenkörbchen ausgestattet.

Schneeberger Schwebeengel und gelandeter Engel der Familie Otto, Arnsfeld, Ende 19. Jahrhundert.

Typisch für Seiffener Schwebeengel ist der umlaufende Ring. Foto Tom O. Letz.
Zur Ausstellung werden sie über eine tief verschneite Lichterhauslandschaft fliegen. Die weitestgehend aus Pappe und Papier gefertigten Häuser und Kirchen entstammen der Lichterhauswerkstatt von Frieda Seifert, die diese im Olbernhauer Ortsteil Dörfel in beengten und sehr bescheidenen Verhältnissen für sehr kleines Geld fertigte.

Olbernhauer Lichterforsthaus von Frieda Seifert auf der Märklin – Spur I – Blechspielanlage.
Weitergeführt haben diese Tradition Birgit und Uwe Uhlig und heute ihre Tochter Susann aus Olbernhau. Von ihren Händen gefertigt wird ein besonderes Stück die Landschaft bereichern: das nachgebaute Landschloß Zuschendorf.

Der Gartenflügel des Zuschendorfer Landschlosses als Lichterhaus, gefertigt von Birgit und Uwe Uhlig, Olbernhau.
Alle diese verschneiten Häuser strahlen Wärme und Geborgenheit aus. Eben wohl beschützt und behütet von der darüber wachenden Engelsschar.
Schutzengel können auch manchmal landen. Einer von ihnen soll einem Bergmann im Traum die Silbervorkommen im Erzgebirge gezeigt haben, wodurch das große „Berggeschrey“ ausgelöst wurde.
Die Arbeit im Bergwerk war gefährlich und der Bergmann wünschte sich im Dunkel der Tiefe einen Boten des Lichts, der ihn schützte und begleitete.
So wurde den Nachbildungen der Bergmänner immer öfter ein Engel hinzugesellt. Die frühen biblischen Engel waren Männer und hießen Michael, Gabriel, Raphael oder auch Luzifer. Als die Engel die Flügel der Siegesgöttinnen Nike und Viktoria erhielten, wurden sie auch weiblicher. Die Seiffener Drechsler waren da konsequent. Der Bergmann brauchte eine Frau und so erhielten die Engel auch bald Schürzen und wurden in gewisser Weise Ehefrauen. Von prägenden Männelmacherfamilien wie Füchtner, Timmel, Otto, Börner, Ulrich, Langer und weiteren werden wir solche „gelandeten“, also nun stehenden Engel ausstellen.

Engel aus der Werkstatt der Familie Timmel, Marienberg-Kühnhaide.
Am Ende soll die Geschichte vom Engel, der Gutes tat und so seine Federn verschenkte, natürlich gut ausgehen. Die Menschen bauten ihm zum Dank ein Flugzeug, mit dem er nun wieder in sein Himmelreich fliegen wird.

Ein Engel, der die Federn seiner Flügel verschenkte, erhält von den Menschen ein Flugzeug und startet in die Lüfte.
Damit wäre der sächsische Teil der diesjährigen Weihnachtsausstellung umrissen, es gibt aber, wie auch schon die Jahre davor, einen Thüringer Beitrag zum Weihnachtsland. Auch von dort kommen „schwebende“ Engel. Dazu gibt es eine Geschichte: Einige Erfindungen der Lauschaer Glaskünstler sind so genial, dass dieser Ort eigentlich einer der reichsten im Lande und die Bewohner besonders wohlhabend sein müssten. Doch nichts davon ist zu sehen. Offenbar fielen die Goldstücke immer in fremde Taschen.
Glasfasern sind heute in der Zeit schnellen Internets aller Orten im Gespräch, doch wer weiß schon, dass diese ein sechzehnjähriger Lauschaer Junge als Ergebnis einer Wirtshauswette erfand? Der hochzulobende Heimat- und Geschichtsverein e.V. in Autorenschaft von Barbara Bock und Jürgen Müller-Blech gab zum Thema eine Schrift heraus. Aus dieser stammt ein Bericht, 1975 von Arno Greiner Adam veröffentlicht und von seiner Schwester, Selma Griebel, geb. Greiner-Adam, überarbeitet und aus Mack, Colorado, USA nach Lauscha gesandt:
„Öfters fanden sich die Glasbläser – jung und alt – im Wirtshaus zusammen, um über Arbeitsbelange, Neuerungen und eben alles von Wichtigkeit zu sprechen. Dabei kam auch einmal zur Sprache, dass die Firma Cuno und Otto Dressel in Sonneberg beanstandet hätte, dass bei den Vögeln Vogelfedern als Schwänze verwendet wurden (Diese sind brennbar, was am Kerzenbaum problematisch ist d.R.). Sie wünschten diese von nun an auch aus Glas. Alle lachten – unmöglich. Das geht ja gar nicht, war die Meinung aller. Da sagte ein 16jähriges Bürschlein: Warum soll das nicht gehen? Ich getraue mir solche herzustellen!“. Er wurde verlacht, und es kam dabei zu einer Wette, die er gewänne, falls er solche Vogelschwänze aus Glas vorlegen könne. Tags darauf probierte er schon. Er zog aus einem glühenden Glasstück Fäden heraus und legte sie zusammen, zerschnitt sie, verbreiterte sie an der einen Seite, dann klebte er die andere Seite mit Siegellack, nahm einen Vogel und klebte sein kleines Kunstwerk ein. Der Glas-Vogelschwanz war da, die Wette gewonnen.“
Um einen solchen Glasfaden zu erhalten, musste ein Glasstab in der Flamme soweit erhitzt werden, dass sich ein Glastropfen bildete. Mit Hilfe einer Zange oder eines zweiten Glasstabes konnte daraus eine dünne Glasfaser gezogen werden.
Der junge Mann hieß Friedrich Guido Greiner-Adam und lebte von 1827 bis 1890. Daher können wir seine ersten erfolgreichen Versuche auf das Jahr 1843 datieren.
Doch damit nicht genug. Die Frauen beim Jutespinnen vor Augen, nahm er ein solches Spinnrad von 60 bis 70 cm Durchmesser und verbreiterte den Radkranz. Nun weiter im Text von Selma Griebel: „ In der Glashütte hatte er sich Glasstäbe von entsprechender Länge besorgt. Er nahm einen solchen Stab, erhitzte ihn in der Stichflamme, zog einen Faden ab und klebte ihn auf das Rad. … Durch Unreinheiten im Glas riss der Faden oft und mußte immer wieder aufgeklebt werden. Da riss ihm einmal nicht nur der Faden, sondern auch die Geduld. Im Zorn schleuderte er den Faden auf das sich drehende Rad und siehe der Faden blieb haften. Durch die Fliehkraft des sich drehenden Rades!“
Damit war die Grundtechnologie der Glasfaserherstellung geschaffen. Mit zunehmendem Bedarf entstanden in Lauscha immer mehr Glasspinnereien, die Räder wurden größer gebaut und diese bald auch mit Motoren angetrieben. Schon in der Vorkriegszeit begann die maschinelle Produktion.

Die Herstellung der Glasfasern in Lauscha. Aus: Die Geschichte der Erfindung der Glasfaser in Lauscha, Lauschaer Heimathefte, 2016.
Das, was Friedrich Guido Greiner-Adam da erfunden hatte, war eine glatte Glasfaser. Neben Schwänzen und Flügeln für Vögel wurde weiterer Weihnachtsschmuck entwickelt. Glasfaserrosetten wurden mit „Dresdner Pappe“, mit lithografierten Oblaten, oft Engelsgesichtern kombiniert. Schmetterlinge erhielten Flügel aus Glasfasern.

Lauschaer Glasvogel mit Flügeln und Schwanz aus Glasfasern.

Schmetterling aus Lauscha mit bemalten Glasfaserflügeln.
Es dauerte gar nicht lange, bis auch Engel aus Glas oder Wachs mit Hilfe von Glasfaserflügeln sich in die Lüfte erhoben oder am Weihnachtsbaum schwebten. Alle diese Engel werden nun die Festräume des Landschlosses bevölkern.

Engel aus Lauschaer Glas mit Glasfaserflügeln.

Engel aus Lauschaer Glas mit Glasfaserflügeln.

Engel aus Wachs mit Flügeln aus Lauschaer Glasfaser.
Doch damit nicht genug. Darüber hinaus wird auf zwei Schlossetagen alles dabei sein, was Weihnachten in Sachsen und Thüringen so ausmacht: die alten erzgebirgischen Männel, Pyramiden und Spielzeuge, Puppenstuben und Kaufläden, die alte Märklin Blechspielbahn in Spur I und auch der große Rummelplatz, alles geschmückt mit viel Tannengrün und bei knisterndem Kaminfeuer.
Botanische Sammlung der TU Dresden
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Führungen
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