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Willkommen im Kamelienschloß – der grünen Schatzkammer Sachsens
Im und um das Landschloß Pirna – Zuschendorf werden auf über 6 Hektar, davon 1800 m² Glashausflächen die Zierpflanzen bewahrt, die einst vom Können sächsischer Gärtner in der ganzen Welt kündeten. Sammlungen, wie Kamelien, Azaleen und Rhododendron stehen unter Denkmalschutz. Hortensien und Rhododendron gehören zur Deutschen Genbank Zierpflanzen.

Rhododendron in Zuschendorf Gutspark am Teich

Die Rhododendronblüte erwacht im Schlosspark des Landschlosses Pirna – Zuschendorf

Dieses Jahr ist alles etwas später. Mitte Mai stehen die Azaleen noch in voller Blüte. Selbst einige Kamelienblüten sind noch zu entdecken. Die Bonsai sind überall im Park aufgestellt. Die Rhododendronblüte beginnt gerade erst und wird voraussichtlich bis Anfang Juni anhalten. (Stand 18.Mai 2021)

24.07. – 08.08.2021  XV.Hortensienschau im Landschloß

„Hortensienmode – Modehortensien“

Jedoch schon deutlich früher stellen wir im Park Hortensien auf. Mit 500 Sorten besitzen wir die größte, vor allem historisch orientierte Hortensiensammlung in Deutschland. Diese werden alphabetisch aufgestellt, was ein Auffinden einer Sorte erleichtert.

Hortensien im Pelargonienhof

Noch ist die Wirkung des Frostes auf unsere ausgepflanzten Hortensien nicht absehbar. Derzeit hoffen wir aber auf eine interessante Blüte. In unserem oberhalb der Glashäuser befindlichen speziellen Parkteil sind 360 Sorten ausgepflanzt.

Hortensien im Park

Blumen unterliegen genauso wie Kleidung, Möbel, Schmuck und vieles mehr der Mode. Einmal kann eine Pflanzenart als solche gerade in Mode sein. Die Hortensien sind derzeit zweifellos im Trend. Zum anderen gibt es Modefarben und – formen, die sich auch auf den Blumenmarkt auswirken.

Die frühen Einfuhren von Hortensien aus Japan und China nach Europa erfolgten in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Da waren die bis dahin unbekannten Pflanzen eine Sensation an sich und natürlich sehr begehrt, also in Mode und Statussymbol zugleich. Dazu kam das Blau der aus Japan stammenden Ballhortensien. Die Suche nach der „Blauen Blume“, diese romantische Vorstellung wurde noch eindringlicher, da sich hinter dieser eine glückliche, aber auch tragische Liebesgeschichte verbarg.  Philipp Balthasar Franz von Siebold (1796-1866), vielleicht der berühmteste deutsche Botaniker, war als Arzt im Auftrag der holländischen Ostindienkompanie auf der Nagasaki vorgelagerten künstlichen Insel Deshima tätig. Durch die Operation des grauen Stars hatte er sich den Ruf eines Wunderheilers erworben. Immer öfter wurde er daher zu kranken Japanern gerufen und durfte  die Begrenztheit der Insel Deshima verlassen. Im Winter 1823 wird Siebold zum Hausbesuch zur angesehenen Familie Kusomoto gebeten. Die Mutter, Frau Sahei, hatte hohes Fieber und die Tochter versuchte, ihr mit kalten Umschlägen Linderung zu verschaffen. Dem jungen, damals 27jährigen Arzt blieb die Schönheit der 16jährigen Tochter, das liebliche ovale Gesicht von glänzend schwarzem Haar umrahmt und die rehbraunen mandelförmigen Augen, nicht verborgen. Beide sind sich bald herzlich zugetan. Doch Frauen war das Betreten von Deshima streng verboten. Einzige Ausnahme waren Kurtisanen. Nach langer Überlegung und gründlicher Beratung mit ihren Eltern überwindet sie sich zu dem Schritt, sich den roten Stempel, als polizeiliches Zeichen für Kurtisanen, in den Ausweis drucken zu lassen. So konnte nun im Herbst 1823 Otaki Kusomoto zu Siebold auf die Insel ziehen und mit ihm eine Ehe auf Zeit eingehen. Otaki war heiter und klug. Sie lernte Siebold Japanisch und er schrieb an seinen Onkel Lotz, dass er sie nicht mit einer Europäerin vertauschen möchte. Im Mai 1827 gebar Otaki ihrem Mann eine Tochter, die sie Oine nannten. Zwei Jahre später musste Siebold, ohne Frau und Kind mitnehmen zu dürfen, das Land verlassen. In der schwierigen Zeit vorher, als Siebold unter Spionageverdacht stand, wie auch bei der Sicherung  und Schiffsverladung seiner Sammlungen, stand Otaki ihm treu zur Seite. Beide gingen später eine neue Ehe ein. Bei Siebolds zweitem Japanaufenthalt trafen sie sich 1859 wieder. Seine Tochter Oine war inzwischen eine angesehene Ärztin und Geburtshelferin. Nun nach seiner Rückkehr arbeitet sie für ihn als Dolmetscherin. Otaki lebte von 1807 bis 1865.

Im Garten eines buddhistischen Priesters der chinesischen Sekte der Sinsju erhielt Siebold eine blaue Hortensie. Diese pflanzte er in seinen dortigen botanischen Garten und nannte sie nach seiner Geliebten ’Otaksa’. Nach der Einfuhr nach Europa im Jahre 1835 war sie bis zum Beginn der ersten europäischen Züchtungen Anfang des 20. Jahrhunderts die wichtigste Sorte im Zierpflanzenbau. Durch den Züchtungsfortschritt wird das Blau heute längst nicht mehr als so intensiv empfunden wie damals. Die Blütendolde ist sehr flach und hellblau oder hellrosa. Japan ist seitdem nicht nur das „Land der aufgehenden Sonne“, sondern auch das „Land der blauen Hortensie“.

Hortensie Otaksa aus Siebolds Flora Japans

Die Hortensie ’Otaksa’ kam zwar aus Japan nach Europa, stammte aber wohl ursprünglich aus China. Wegen des eisenhaltigen Lehmbodens war sie blau. Die vermutlich gleiche oder zumindest sehr ähnliche Sorte führte bereits 1789 Joseph Banks aus China ein. Wegen der Eigenschaften der dortigen Erde blühte diese jedoch rosa. Beachtung fand sie durchaus auch, aber bei weitem war sie nicht so begehrt wie ihr blauer Doppelgänger. Das macht die Mode, die unter zwei Gleichen die eine nur wegen der Farbe bevorzugt.

Hortensie ‚Sir Joseph Banks‘, Aquarell von Irene Barkmann

Eine zweite Phase der Hortensienmode umfasst die zu Ende gehende Kaiserzeit. Die Hortensien waren immer noch selten und entsprechend kostbar. Für den Adel wie auch für das aufsteigende Bürgertum war es Mode, solche Pflanzen zu besitzen. Kleine Stückzahlen und hohe Preise ermöglichten eine individuelle Zuchtarbeit. Im Ergebnis gab es große Einzelblüten (wie bei der Sorte  ‚Beauté Vendômoise‘) und für die damalige Zeit spektakuläre Farben. Entstanden sind die Sorten in Frankreich, wo einst die europäische Hortensienzüchtung begann. Der Holländer Baardse war da eine Ausnahme. Doch er nannte seine frühe von 1915 stammende Sorte ‚Paris‘, nach der Stadt der Mode.

Frühe französische Hortensienzüchtungen, dargestellt als Pariser Blumenstand

Nach überstandenem Weltkrieg kamen nun die „Goldenen Zwanziger“ und damit das Zeitalter deutscher Züchtungen. Auf großen Gartenschauen, wie etwa der Dresdner Jubiläumsgartenschau 1926, wurden die Hortensien einem breiten bürgerlichen Publikum nahegebracht. Diese wollte nun jedermann haben. Für die Züchter bedeuteten die damit gestiegenen Produktionszahlen auch, mehr deren Eignung für eine Massenproduktion ins Auge zu fassen. Festere Stiele und gute Vermehrbarkeit waren wichtig. Für das Publikum waren immer intensivere Farben gefragt. Damals spektakulär und modisch, waren diese jedoch weit von unseren heutigen Ansprüchen entfernt. Jedoch umso mehr ein großer Fortschritt zu den alten französischen Herkünften. Die Hortensie eroberte immer größere Weltteile. Auch erste züchterische Beiträge der Amerikaner und der Holländer kamen auf den Markt.

Die goldenen Zwanziger mit Jazz-Band und frühen deutschen Hortensiensorten

Beginnend mit den 30iger Jahren und dann ausgeprägt in den Fünfzigern begann ein plüschiges Zeitalter. Man machte es sich zu Hause auf dem Sofa und im Sessel mit davor gestellten Nierentisch bequem. Die Welt draußen war doch ziemlich unwirtlich. Die Hortensien dieser Zeit waren teils auch ein bisschen schläfrig und eintönig. Sie wurden zum klassischen, aber oft unbeliebten Konfirmationsgeschenk. Nach dem Verblühen gab es oft ein zweites Leben auf den Gräbern. Immerhin brachte der Züchterfortschritt tiefere Farben, was man mit den passenden Namen auch bekannt machte: ‚Enziandom‘, ‚Adria‘ und ‚Bodensee‘ standen für Blau, während ‚Alpenglühen‘ auf eine gelungene rote Farbe aufmerksam machte.

Hortensien zur Konfirmation

Züchter arbeiteten oft über Jahrzehnte kontinuierlich an dieser Pflanze und verbesserten sie weiter. Ein Höhepunkt in den 70iger Jahren waren die nach Vögeln benannten, tellerförmigen Hortensien aus der Schweiz. Aber in großer Mode war die Hortensie nun nicht mehr.

Das änderte sich schlagartig in den 90iger Jahren. Moden werden natürlich gemacht und man erfand den Begriff der „Bauernhortensie“. Sie suggerierte das glückliche Leben auf dem Lande, die Hortensie für den Garten.  In Wirklichkeit war die Hortensie nie eine dominierende Pflanze in den Bauerngärten. Zum einen war sie teuer, zum anderen die ländlichen Gebiete oft zu kalt. Wohlhabende Bürger konnten diese aber gut in ihren geschützten Stadtgärten kultivieren.

In den rauen Gegenden Deutschlands brachten diese neuen Wünsche die Gärtner in Not. War doch die Winterhärte seit Jahrzehnten kein wichtiges Zuchtziel mehr. Die Hortensie war eine Topfpflanze des Zierpflanzenbaus geworden. Es brauchte fast ein Vierteljahrhundert intensiver Zuchtarbeit, bis nun endlich so winterharte Sorten auf dem Markt sind, die den Namen auch verdienen. Der wohl sicherste Blüher heißt ‚Diva Fiore‘ und kommt aus Dresden. Bei der Züchterin Katrin Meinl stehen schon viele neue Kreuzungen in der Prüfung und werden wohl die Gartenhortensienmode in Kürze vervollkommnen.

Blüht auch nach harten Wintern, die Hortensie ‚Diva Fiore‘

Die Zeiten sind schnelllebiger geworden und so auch der häufige Wechsel des Modischen.

Zum Glück ist die Hortensienmode ungebrochen und der Bedarf groß. Dass es so bleibt, dafür sorgen neue Züchtungsmethoden. So hat etwa die Kreuzung verschiedener Arten eine ganz neue Hortensienwelt riesiger Vielfalt eröffnet.

Die Farben sind beeindruckend intensiv, die Stängel und Blüten fest. Es gibt Sorten mit lackschwarzen Stielen, viele mehrfarbige und sogar gefüllte Sorten. Dazu kommt die lange Blühdauer und die Farbwandlungen, die die Blüten in ihrer Entwicklung absolvieren. Die Gärtner kultivieren die Hortensien nicht mehr nur als Büsche. Inzwischen werden auch Stämme und Hängeampeln angeboten.

Hortensie mit lackschwarzen Stiel der Sorte ‚Schloss Zuschendorf‘

Eine neue Besonderheit sind die Tischhortensien. Kleine knuffige Gewächse voller Knospen und Blüten verfeinern die Tafel. Gegenwärtig wird an einem breiteren Farbspektrum gearbeitet. So kann dann auf der Tafel von der Serviette bis zum Blütenschmuck wohl abgestimmt in der jeweiligen Modefarbe zelebriert werden.

Alles allerbeste Voraussetzungen, dass die Hortensienmode noch lange anhalten wird. Wir können gespannt sein, was das Füllhorn der Züchter noch bereit halten wird.

In Zusammenarbeit mit Kühne Jungpflanzen Dresden und  dem Gartenbaubetrieb Reinhard Ullmann aus Radebeul füllt sich das Schloss mit den prächtigsten Hortensien. Die genannten Epochen werden mit authentischen Sorten und Szenen der Zeit illustriert.

Silke Kühne begleitet die Unternehmung so wie schon seit vielen Jahren mit floristischer Meisterhand.

Hortensienmode einmal wörtlich genommen, Gestaltung Silke Kühne

Die Gestaltung der Ausstellung liegt wieder in den Händen von Bea Berthold. Freilich wird alles erst einmal für die barocken Festräume im Landschloss konzipiert. Jedoch. für den Fall, dass das Schloss weiter behördlich geschlossen bleiben müsste, bereiten wir auch eine Variante im Freien vor.  So wird die Ausstellung mit hoher Sicherheit dieses Mal auch stattfinden. Die Pflanzen sind ja auch alle vorbereitet.

www.kamelienschloss.de

Weihnachten im Landschloss

„Lichterhäuser – Geborgenheit und Wärme im Erzgebirge“

Die Ausstellung ist nun endgültig abgebaut. Einige Teile werden in die Kamelienschau übernommen.

Wir sind sehr dankbar, dass Herr Stefan Riedel uns einen Film über die geschlossene Ausstellung gedreht hat. Den Film können Sie hier anschauen:

Weihnachten im Landschloß Zuschendorf

Die behördliche Schließung hat unserem Förderverein Landschloß Pirna – Zuschendorf hohe Verluste an nicht verkauften Eintrittskarten gebracht. Wenn Ihnen dieser virtuelle Rundgang gefallen hat, dann freuen wir uns über Ihre Spende: DE21 8505 0300 3000 0023 40 bei der Ostsächsischen Sparkasse. Vielen Dank!

Botanische Sammlung der TU Dresden

  • Kamelie

    Kamelie

    Die Seidelsche Kameliensammlung

    Die beeindruckende Zuschendorfer Kameliensammlung machte den sächsischen Gartenbau weltberühmt.
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  • Azalee

    Azalee

    Unsere Sammlung "Indischer Azaleen"

    Die Sammlung des einst größten europäischen Anbaugebiets für Azaleen umfasst mehr als 360 Sorten.
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  • Hortensie

    Hortensie

    200 Jahre Hortensien in Sachsen

    Die größte Hortensiensammlung Deutschlands konzentriert sich im Kern auf sächsische Züchtungen.
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Mehr Infos zu den Pflanzen unserer botanischen Sammlung finden Sie hier.

Veranstaltungen

  • Anstehende Veranstaltungen

    1. XV.Hortensienschau im Landschloß

      24. Juli - 8. August

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