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Weihnachten

Denkt man an Zuschendorf, so fallen den meisten zuerst die Kamelien ein, auch Azaleen, Rhododendron, Hortensien, Bonsai und unsere anderen Pflanzensammlungen. Doch seit den Weihnachtsschauen von 2009, 2012 und 2015 ist eigentlich die meist gestellte Frage unserer Gäste: Gibt es dieses Jahr wieder eine Weihnachtsschau?

Zum einen stand für uns die Frage nach der Winternutzung des Schlosses. Zum anderen stellten wir in gemeinsamen Gesprächen fest, dass im Dresdner Raum die einst so für unsere Gegend typischen, auf ein besinnliches Weihnachten einstimmenden Ausstellungen kaum noch zu sehen sind. Allzu oft werden die erzgebirgischen Männel und Spielzeuge zu wissenschaftlich- musealen Objekten. Dann sprechen sie nicht mehr vom nahenden Fest, den Freuden und Hoffnungen.

Das wollten wir ändern und recht schnell bemerkten wir, dass wir damit großen Zuspruch fanden.

In den Kaminöfen prasseln in dieser besonderen Zeit die Holzfeuer, die Lichter werden gedimmt und damit geheimnisvoll, die Gärtner schmücken überreich mit Tannengrün und im Schlossgewölbe gibt es Glühwein oder Kaffee bei Kerzenschein. Unser Gestalter Volker Berthold ließ unsere Handwerker aus alten Dielenbrettern Kisten bauen. Genau die, die über das Jahr mit all den weihnachtlichen Dingen und Spielzeugen auf dem Dachboden schlummern. Diese werden zur Schau übereinander geschichtet, vorn eingeglast, beleuchtet und mit Schätzen gefüllt. Da sind zum einen die Männel. Diese erzählen vom überaus kärglichen Leben, wie es im Erzgebirge noch vor einigen Jahrzehnten ganz verbreitet war. Doch wäre es den Leuten damals wohl ergangen, wäre die Vorratskammer gut gefüllt, der Tisch voller Speisen reichlich gedeckt gewesen, hätten sie dann nach schwerem Tagwerk abends in ihren Stuben geschnitzt, gedrechselt, geklebt und angemalt? Auch die Kinder hätten sich wohl lieber zum Spiel versammelt, als den Eltern und Großeltern zur Hand gehen zu müssen. Man brauchte dieses Zubrot zum Überleben. Nur durch diese bittere Armut können wir heute so tief beseelte Räuchermänner, Bergmänner, Engel, Pyramiden und Nußknacker bestaunen. Die Männelmacherfamilien legten in die hölzernen Figuren ihre ganzen Sorgen, Nöte, aber auch Freuden, Hoffnungen und Sehnsüchte hinein. Soviel Wahrhaftigkeit steckt darin, macht sie unwiederbringlich und bewahrenswert. Wenn sie möchten, können sich unsere Gäste auf die Geschichten des armen und doch so reichen Erzgebirges einlassen.

Dann die Spielzeuge: Die erzgebirgischen Miniaturen vor allem aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts: Männel, Kutschen, Autos, Reifentiere, Häusel mit und ohne Licht, Zäune und Bäume – herrliche phantasievolle Weltenteile lassen sich da in einer Kiste zusammenstellen.

Und natürlich die größeren Spielzeuge vom Teddy über die Puppe bis zur Puppenstube und zum Kaufladen machen Weihnachten aus und dürfen nicht fehlen. Der Holzgestalter Georg Brückner machte sich eines Tages daran, seine Kindheit und Jugend in Leipzig-Markkleeberg en miniature umzusetzen. Nach und nach entstanden Läden für Schmuck, Eisenwaren, Stoffe und Porzellan. Selbst die damalige Bedürfnisanstalt mit öffentlichen Bädern fehlt nicht. Auch diese äußerst detaillierten und handwerklich mit hohem Anspruch gefertigten Arbeiten finden Platz in den Spielzeugkisten.

Im Salon des Schlosses bauen wir eine umfangreiche Anlage einer bald hundertjährigen Blechspieleisenbahn auf. Je nachdem, was uns Sammler zur Verfügung stellen, rollen die Loks und Waggons der Spurweite I (45 mm Schienenbreite) oder 0 (32 mm Schienenbreite). Diese weitestgehend manufakturiell hergestellten, oft fein handlackierten Bahnen und Zubehöre haben etwas ganz Ursprüngliches aus der Frühzeit rasanter technischer Entwicklung. Die Züge werden in zeitlichen Abständen in Betrieb genommen. Zum regelmäßig ausgestellten eigenen Fundus gehört ein stetig wachsender Rummelplatz. Karussells, Riesenrad, Luftschaukel sind Eigenbauten. Oftmals entstanden sie durch den arbeitslosen Vater in den schlechten Zeiten der zwanziger Jahre, der so mit wenig Mitteln seinen Kindern große Freude bereiten konnte. Besonders prächtige Stücke wurden aber schon vor dem ersten großen Krieg gefertigt.

Ein voll funktionsfähiger Weihnachtsberg, auch als sogenannte „Eck“ wegen seines Standortes in der Stube bezeichnet, gehört zu einer richtigen Weihnachtsschau. Ein solcher aus dem Annaberger Raum mit Bergwerk, Mühle, Schmiede, Jagd und Landwirtschaft findet sich in unserem Bestand. Überall bewegt es sich, klappert und leuchtet. Man kann sich kaum satt sehen. Dazu kommen noch einige Landschaften für Fensterbretter.

All die genannten schönen Dinge gehören zum immer wiederkehrenden festen Bestand der Ausstellungen.

Dazu suchen wir für jede Schau ein Schwerpunktthema aus, welches intensiver betrachtet wird:

  • Im Jahre 2012 verfolgten wir den Weg der erzgebirgischen Männel und Spielzeuge vom Beginn der Fertigung in einer Drechslerstube über den Verleger bis zum Spielzeuggeschäft.
  • 2015 stand der 1889 geborene Handelsmann Max Helbig aus Lippersdorf im Mittelpunkt der Schau.
  • Für 2018 nähern wir uns dem Beruf des Verlegers am Beispiel der Firma Max Hetze aus Seiffen. Dazu gibt es eine Christrosenschau.

Da wir auf Grund der zunehmenden Sommerhitze überlegen, die Hortensienschauen zu reduzieren, sollen zukünftig die Weihnachtsausstellungen öfter statt finden.

Borgen bringt Sorgen! Daher wollen wir zukünftig so wenig wie möglich mit Leihgebern arbeiten und versuchen, systematisch unseren eigenen Fundus zu erweitern. Dabei freuen wir uns immer über Mithilfe. Bei manchem auf dem Dachboden schlummern vielleicht noch eine Puppenstube, ein Räuchermann oder vieles mehr wofür sich Kinder und Enkel nicht interessieren. In unseren Ausstellungen könnten die Dinge vielen Freude bereiten. Interessant sind Eigenbauten und handwerklich Entstandenes vor 1960.