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XIV. Hortensienschau im Landschloß

20. Juli - 4. August

XIV. Hortensienschau im Landschloß

Farbenspiele

Vor noch wenigen Jahren war die Farbpalette der Hortensien recht schmal. Doch wie von Zauberhand haben die Züchter nun aus dieser Pflanze ein reiches Spiel der Farben heraus gelockt. Natürlich, alles steckte schon irgendwie in den Genen und musste nur geweckt werden. Nicht nur, dass diese Pflanzen an sich vielfältiger und leuchtender geworden sind. Sie verändern die Farbe auch während der Blühzeit und bergen immer neue Überraschungen. Dazu kommen viele zweifarbige Sorten. Vor allem diese züchterischen Fortschritte haben zur heutigen Beliebtheit der Hortensien beigetragen.

Landschloss Zuschendorf

Der Gärtner bestimmt die Farben mit Farbkarteien. Jede Farbe ist mit einer Buchstaben-Zahlen-Kombination versehen und so kann jeder auf der Welt sich eine Vorstellung von der Farbe einer Pflanze machen, sind Betrachter und Pflanze auch tausende Kilometer von einander entfernt. Üblich ist heute eine Farbkartei, die von der Königlichen Gartenbaugesellschaft in England (RHS) herausgegeben wird.

Blaues Dreieck Hortensienschau 2019

Vielleicht überhaupt die erste dieser Farbkarten verdanken wir dem Chemiker und Nobelpreisträger Wilhelm Ostwald aus Großbothen bei Grimma. Er spricht von etwa 500 reinen und gut unterscheidbaren Farbtönen. Die Farbenlehre war seine große Leidenschaft. Starkfarbige Blumen wie Dahlien, Gladiolen, Astern und Rittersporn malte er selbst. Gerade der Rittersporn und die Farbe Blau faszinieren die Menschen. Der botanische Name Delphinum weist schon auf den Inhaltsstoff Delphinidin hin. Es ist das gleiche Anthocyan, das auch in der Hortensie vorhanden sein muss, um diese von Rot in Blau umfärben zu können.  Diese Farbenspiele führten auch den Chemiker Ostwald mit dem Staudenzüchter und Gartenpoeten Karl Foerster aus Potsdam-Bornim zusammen.

Schon frühzeitig haben sich wissenschaftlich interessierte Menschen mit Farbenlehren beschäftigt. Ein Disput über die Erkenntnisse des englischen Naturforschers Isaac Newton (1643–1727) und des deutschen Dichters Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) beschäftigt die Menschen bis heute. Allerdings war für Newton auf Grund der Lebensdaten keine Resonanz auf Goethes Theorien möglich.

Goethe und Eckermann
Hortensienschau 2019

Newton leitete Lichtstrahlen durch ein Prisma und sah, wie das Licht sich in ein Spektrum an Farben teilte. Goethe lehnt diese Theorie als Irrung ab. Für ihn sei das Licht nicht zerlegbar. Er führte die Entstehung der Farben auf Licht und Schatten zurück. Nach seiner Erfahrung sind Farben Abdunkelungen des weißen Lichtes. Daher könne Licht als das Helle nicht aus farbigen Komponenten bestehen. Viel Licht bringt helles Gelb, starke Dunkelheit stattdessen Blautöne. Gelb und Blau sind für Goethe die einzigen reinen Farben.

Die moderne Naturwissenschaft steht allerdings zu Newton und gesteht Goethe lediglich eine kulturhistorische Bedeutung zu. Das mag streng physikalisch betrachtet auch so stimmen. Es ist eben auch denkbar, dass der Dichterfürst einmal nicht recht hatte. Goethe geht aber einen Schritt weiter. Anfangs galt sein Interesse den Techniken der Malerei. Später dehnte er seine Betrachtungen auf viele Facetten des menschlichen Lebens aus, auch die Wirkung der Farben auf die menschliche Seele einschließend. Gelb ist der „Sieg“ des Hellen und hat eine leichtlebige Wirkung, dagegen Blau als das Dunkle eine dämpfende. Purpur ist die höchste Steigerung, weil sich bei dieser Mischfarbe die Gegensätze die Waage hielten. Grün als ebensolche Mischfarbe wirkt beruhigend. Goethe unterteilt die Farben in „schöne“, dem Betrachter sympathische, und jene, die dem Auge weh täten und somit unsympathisch seien. Farben beeinflussen die Gefühle der Menschen und somit auch  die Einheit von Körper und Geist. Goethe ist klar, dass eine Farbenlehre nicht durch Physik allein, sondern durch viele Natur- und Geisteswissenschaften gemeinsam erforscht und erklärt werden muss. Hier liegt wohl sein eigentlicher Verdienst.

Isaac Newton Hortensienschau 2019

Die einen betrachten die Dinge der Welt streng und exakt naturwissenschaftlich, die anderen als Künstler oder musische Menschen. Jede Seite besteht auf der Richtigkeit ihrer Thesen. Die Wahrheit liegt in der Zusammenführung, nicht in der Trennung beider Welten. Nehmen wir Newtons geteiltes Lichtspektrum als Grundlage und Goethes interdisziplinären Ansatz und seine sinnliche Wahrnehmung als Ergänzung, dann wird alles versöhnlich.

Rotes Dreieck Hortensienschau 2019

Die Gäste unserer Ausstellung können sich selbst ein Bild machen, wie die Farbpalette der Hortensien auf sie einwirkt, ob sie davon fröhlich und glücklich oder eher nachdenklich oder gar traurig werden. Nach Goethes Betrachtung gelten ja die bei der Hortensie reichlich vorkommenden Rot-Töne als nahezu vollkommene Harmonie. Doch der Gärtner weiß auch, wie er diese Sorten ins Blaue umfärbt. Bei dunkelblauer Farbe mag ja der Dichter recht haben, dass diese dämpfend wirken. Aber ein schönes Himmelblau, wie wir es ja so oft an der Hortensie finden, weitet doch die Sicht und öffnet unsere Gedanken.

Wilhelm Ostwald Hortensienschau 2019

Was können die Besucher in den Festräumen des Schlosses erwarten: Zunächst etwa 1000 Hortensienpflanzen. Dazu gehören Sorten unserer Sammlung, die im Dresdner Gartenbaubetrieb Kühne Jungpflanzen Claus Kühne vermehrt und zu ausstellungswürdigen Pflanzen herangezogen wurden. Das gleiche Unternehmen stellt uns sein aktuelles SAXON-Sortiment zur Verfügung.

Vom Hortensienspezialgartenbaubetrieb Reinhard Ullmann aus Radebeul kommt eine Vielfalt alter und neuer Sorten.

Floristin Silke Kühne wird die Räume mit Ranken, Kränzen und vielen anderen Gestaltungen verzaubern. Dafür stehen unzählige Klassik-Blüten aus der SAXON-Züchtung zur Verfügung.

Bea Berthold obliegt die Gestaltung der Ausstellung. Sie wird den obigen Disput und manches mehr mit der Schönheit der Hortensie verbinden.

 

Geöffnet: Dienstag bis Sonntag und feiertags von 10.00 – 17.00 Uhr,

zusätzlich Montag 10.00 – 16.00 Uhr

 

Eintritt: 5,00 €, ermäßigt 4,00 €

www.kamelienschloss.de

Details

Beginn:
20. Juli
Ende:
4. August