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XVI. Deutsche Kamelienblütenschau im Landschloß Pirna – Zuschendorf

2. März - 7. April

  • Blütenzier und Lebenslaune
  • Wilhelm Busch lässt grüßen.

Zunächst ist alles wieder so wie immer: Die alten über einhundert Jahre alten Kamelien in den Glashäusern setzen von Jahr zu Jahr üppiger Knospen an und werden überreich blühen.

Zur „Deutschen Kamelienblütenschau“ werden wieder um die 1000 auserwählte Blüten aus ganz Deutschland erwartet und in besonderen Gefäßen in den Festräumen des Landschlosses präsentiert. Die Freunde der Mitteldeutschen Kameliengesellschaft werden die Blüten mit gebotener Vorsicht aus allen Landesteilen herbei bringen und einen großen Teil der Ausstellungszeit manchen Ratschlag für die Besucher zur Kamelienpflege parat haben.

In den letzten Jahren haben wir uns sehr ernsthaft, manchmal fast schon wissenschaftlich, mit Themen rund um die Kamelie beschäftigt. Das soll diesmal anders sein. Etwas lockerer, auch heiter, den Lebenslaunen, denen früher und auch heute keiner entkommt, soll nachgespürt werden. Wie kann man das besser als mit Wilhelm Busch. Als er seine Geschichten schrieb und illustrierte, war in Europa die hohe Zeit der Kamelienmode. Grund genug, prächtige Kamelien in verschiedene szenisch dargestellte Geschichten einzuschmuggeln.

C.j. Colombo

Der Meister Wilhelm Busch selbst wird gleich eingangs im Saal bei der Arbeit zugegen sein. Just im selben Moment unseres Zuschauens entwirft er die Geschichten um den frechen Affen Fips. Seine Figuren steigen, so wie gerade erdacht und gezeichnet, als Wolke auf. Im Festsaal steht die Kutsche bereit, mit der Fritz der Forstadjunkt und sein Julchen zuerst zum Traualtar und später die Hochzeitsreise antreten wollen. Wäre da nicht Ferdinand Mickefett, der verstoßene Liebhaber, welcher gerade einen bösen Streich ausheckt. Geheiratet wird trotzdem und natürlich mit einem großen Strauß Kamelien.

Kamelie Frau Minna Seidel, über 100 Jahre alt

Undenkbar ist alles natürlich ohne die bösen Buben Max und Moritz. Beide sitzen auf dem Dach und angeln durch den Kamin nach Witwe Boltes knusprigen Hühnchen, während diese ihre Kamelien gießt.

Der Kamelienfluss im Salon bietet sich regelrecht dafür an, den Engländer Mister Pief, immer geradeaus durchs Fernrohr schauend und nicht auf Hindernisse achtend, ins Wasser plumpsen zu lassen, wonach die beiden Hunde Plisch und Plum seinen Hut retten.

Kamelie Tricolor, 1832 von Siebold aus Japan eingeführt

Traurig und auch etwas makaber wird es, wenn das Ende der frommen Helene naht. Auf dem Tischchen die mit Petroleum gefüllte Lampe, die Bilder vom seligen Franz und dem ebenfalls verblichenen Schmöck an der Wand, die beide Helene so gern mit Kameliensträußen zu entzücken suchten. Der „geschwänzte Bote der Unterwelt“ wartet bereits auf Helenes Seele am Kamin. Denn auch die Hölle ist ja, wie wir wissen, mit Kamelien geschmückt.

Die Gestalterin Bea Berthold wird alle Ideen gemeinsam mit den Zuschendorfer Mitarbeitern zur Freude unserer Besucher in die Tat umsetzen.

Wilhelm Busch

Wilhelm Busch und Affe Fipps, 2019

Wilhelm Busch – der Urvater des Comics

Am 15. April 1832 wurde Wilhelm Busch als ältester Sohn eines Kaufmannes im hannöverschen Wiedensahl geboren. Schule und später den privaten Unterricht bei seinem Onkel, seines Zeichens Pfarrer und Imker, absolvierte er mit Auszeichnung. Dem folgte ein Maschinenbaustudium, was wohl nicht das rechte für den jungen musisch veranlagten Busch war. Freunde gewannen ihn für ein Kunststudium an der Akademie in Düsseldorf, welches er in Antwerpen fortsetzte. Die dortige Beschäftigung mit flämischen und holländischen Malern sollte ihn ein Leben lang nicht mehr loslassen. Dies auch, wenn er selbst schrieb: „In der damaligen akademischen Strömung kam mein flämisches Schifflein, das wohl auch schlecht gesteuert war, nicht recht zum Schwimmen“.

Seine Studien setzte er nun in München fort, wo er sich der Künstlergruppe „Jung-München“ anschloss. Dort übte man sich auch im „wechselseitigen Spott der heiteren Karikatur“, wie es Theodor Heuss beschreibt. Kaspar Braun, der Gründer der politisch-polemischen Witz-Zeitung „Fliegende Blätter“ erkannte Buschs Begabung und warb ihn zur freien Mitarbeit.

Lustige Bilder und gereimte eigene Texte dazu, das war die „Soziologie, über die Wilhelm Busch in die Unsterblichkeit stolperte“(HEUSS). Auch entspannte das seinen chronischen Geldmangel und „entlastete seine Mutter von Talersendungen“.

Wilhelm Busch und Affe Fipps, 2019

Im Jahre 1865 gelingt ihm mit seiner Lausbubengeschichte „Max und Moritz“ der Durchbruch. Busch verstand es „mit stummen Linien den großartigsten, schier hörbaren Krach und Lärm zu machen“ (HEUSS). Und doch zog er sich zum arbeiten in die dörfliche Stille seiner Heimat, nach Wiedensahl und die letzten 10 Jahre seines Lebens in das Pfarrhaus von Mechtshausen, zurück. Theodor Heuss beschreibt sein Leben dort eindrücklich: „…in der Abgeschiedenheit für sich ganz allein, Gemälde stapelnd, die keiner zu sehen bekam, um durch die Felder zu streifen, die Linien und Tönungen der flachen Hügel mit seinem immer wachen Auge abzuvisieren, um über die Eitelkeit dieser Welt zu meditieren, vielleicht, vielleicht auch, um zu träumen“. Und weiter: „Ungesellig und verstimmt in größerem Kreis, heiter und aufgeräumt im vertrauten Gespräch“.

Der Dichter, Zeichner und Maler Wilhelm Busch starb am 9. Januar 1908.

Julchens Hochzeit

Julchens Hochzeit, Kamelienschau 2019

Julchens Hochzeit

 

Starr und staunend bleibt er stehen

Mit dem Ruf: „Was muß ich sehn?“

Dann mit Fassung in den Zügen

Spricht er: „Na, ihr könnt euch kriegen!“

….

Aber so ist´s nun mal auf Erden

Es soll nicht Frieden werden

Das Böse arbeitet überall und viel

Wenn enttäuschte Liebe ist im Spiel

Ferdinandchen Mickefett mit Ränken

tut schon darüber nachzudenken.

Er hat den Plan „Oh Entsetzen!“

und wartet ihn nur umzusetzen.

Fritz der Forstadjunkt

bringts nun auf den Punkt.

Nach Aufgebot und Wartezeit

wird die Hochzeit vorbereit:

Kirche, Kutsche, Glockenläuten

Einladung zu vielen Leuten.

Es ist bedacht und brauchte Zeit

Dann aber ist es nun so weit.

Am Sonntag Morgen um einhalb Zehn

Hat die Kutsch bereitzustehn.

Die rechten Blumen für den Strauß,

vergaß der Fritz, welch ein Graus.

Julchen wünschte diese mit großer Wonne,

aus dem Lande der aufgehenden Sonne.

Der Bräutigam eilt fluchs zum reichen Kraus,

der hat Kamelien in einen gläsernen Haus.

Herrliche Blüten werden geschnitten,

stolz kommt Fritz zur Braut geschritten.

Staunend sieht die Erwählte die Pracht,

flink wird alles zur Kutsche gebracht.

Julchen im schönsten Hochzeitskleid

Ist für die Kirchenfahrt bereit.

Fritz, der schmucke Jägersmann,

hebt die Braut auf und hinan.

Mickefett hats ausgeheckt

und dieweil ein Rad versteckt.

Wie´s ausgeht werden wir ja sehn

Um die Hochzeit scheints geschehen.

Hurtig kommen um die Ecke,

Jens der Schnelle und Robert der Recke.

Welch‘ Malheur, ei per dautz,

schon und das mit rechten Plautz,

geht es Mickefett an den Kragen,

gleich ist das Rad wieder am Wagen.

Nun beim Pastor zweifach „Ja“

Adieu, winke, winke und viel Tralala.

Die Hochzeitsreise geht nun los,

das Eheglück ist riesig groß.

Nach Zuschendorf soll die Fahrt gehen,

das Paar will sich Kamelien besehen.

Angekommen im Reich der Japanischen Rosen,

Julchen tut ihren Fritz herzlich liebkosen.

Julchens Hochzeit, Kamelienschau 2019

Plüsch und Plum und Mister Pief

Plüsch und Plum und Mister Pief, 2019

Plisch und Plum

Zugereist in dieser Gegend,

Noch viel mehr als sehr vermögend,

In der Hand das Perspektiv,

kam ein Mister namens Pief.

„Warum soll ich nicht beim Gehen“,

Sprach er, „in die Ferne sehen?“

 

Hurtig setzt er Fuß an Fuß,

Kamelien treiben vorn im Fluß.

Schöneres hat er nie gesehen,

wehe gleich wird es geschehen!

 

Seht hier, schon stolpert er

In den Teich und sieht nichts mehr.

Ohne Perspektiv und Hut

Steigt er ruhig aus der Flut.

„Allez, Plisch und Plum, apport!“

Tönte das Kommandowort.

Streng gewöhnt an das Parieren,

Tauchen sie und apportieren

Das Vermißte promt und schnell.

Mister Pief sprach: „Weriwell!

Diese zwei gefallen mir!“

 

Die fromme Helene

Fromme Helene, 2019

Die fromme Helene

Fromme Helene, 2019

Versuchung und Ende

 

Es ist ein Brauch von alters her:

Wer Sorgen hat, hat auch Likör!

Gefährlich ist des Freundes Nähe.

O Lene, Lene! Wehe, wehe!

Umsonst! – Es fällt die Lampe um,

Gefüllt mit dem Petroleum.

 

Ein letzter Blick zum Kamelienstrauß

rings um die Flammen züngeln, oh Graus.

Vetter Franz brachte ihr die japanischen Rosen,

doch gleich darauf ging er die Kathi in der Küche liebkosen.

 

Fromme Helene, 2019

Und hilflos und mit Angstgewimmer

Verkohlt dies fromme Frauenzimmer.

Schon saust aus des Kamines Schlote

Der Unterwelt geschwänzter Bote.

Er faßt die arme Seele schnelle

Und fährt mit ihr zum Schlund der Hölle.

Hinein mit ihr! – Huhu, Haha!

Der heil’ge Franz ist auch schon da.

Max und Moritz

Max und Moritz, Kamelienschau 2019

Max und Moritz

 

Witwe Bolte will im stillen und in Ehren

ihre Hühner nun gut gebraten verzehren.

Max und Moritz rochen dieses;

„Schnell aufs Dach gekrochen!“ hies es.

Bevor sie den Braten will genießen,

geht sie ihre Kamelien gießen.

Diese Blumen liebt sie sehr,

hat ja keinen andern mehr.

‚Camellia‘ kam aus weiter Ferne,

sie zog sie selbst aus dem Kerne.

Ihr Sel’ger ist in Japan entschwunden,

nur das Samentütchen ward gefunden.

Max hat schon mit Vorbedacht

Eine Angel mitgebracht.

Schwupdiwup! da wird nach oben

Schon ein Huhn heraufgehoben.

Und zuletzt kommt noch Numro vier:

Schwupdiwup! dich haben wir!!

– Na! Das wird Spektakel geben,

Denn Frau Bolte kommt soeben;

Max und Moritz, Kamelienschau 2019

Angewurzelt stand sie da,

als sie nach der Pfanne sah.

Alle Hühner waren fort –

„Spitz!!“ – das war ihr erstes Wort. –

Mit dem Löffel, groß und schwer,

geht es über Spitzen her;

Laut ertönt sein Wehgeschrei,

denn er fühlt sich schuldenfrei.

01.03. – 07.04.2019 Kamelienschau

Die Kamelienschau unterteilt sich in:

01.03. – 07.04.2019  Kamelienblüte in den Glashäusern

Ausstellung der Sächsischen (Seidelschen) Kameliensammlung mit einer Vielzahl historischer Sorten v.a. des 19. Jahrhunderts auf 1500 m² Schauglasfläche. Die Hauptblüte ist Ende März zu erwarten.

02.03. – 10.03.2019  XVI. Deutsche Kamelienblütenschau im Landschloß

Die schönsten Kamelienblüten aus ganz Deutschland werden in besonderen Gefäßen in den festlichen Räumen des Landschlosses präsentiert. Das Publikum wählt die schönste Blüte Deutschlands (in Zusammenarbeit mit der Mitteldeutschen Kameliengesellschaft).

12.03. – 07.04.2019  XVI. Sächsische Kamelienblütenschau im Landschloß

Der Übergang von der Sächsischen Kamelienblütenschau zur Azaleenschau
wird in der Zeit vom 09.04. – 12.04.2019 entsprechend der Blühentwicklung fließend gestaltet.

13.04. – 01.05.2019  XIII. Azaleenschau im Landschloß

Die Sammlung der ehemaligen „Königlichen Hofgärtnerei zu Pillnitz“
umfasst heute 360 historische Sorten und wird im Schloss präsentiert.

 

Eintritt: 5,00 € / ermäßigt 4,00 €

Geöffnet: Dienstag bis Sonntag und feiertags von 10.00 – 17.00 Uhr

Zusätzlich nur im März: Montag von 10.00 – 16.00 Uhr

www.kamelienschloss.de

 

 

 

 

 

 

 

Details

Beginn:
2. März
Ende:
7. April