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Nachbetrachtung: Otaksa oder Sir Joseph Banks

Ist es nun gut, wenn ein gartengeschichtlicher Diskurs am Ende zu einem praktischen Ergebnis führt? Karla Teune vom Hortus Botanicus Leiden deutete bei einem Rundgang durch den Siebold-Gedenkgarten an, dass es an der Echtheit der Hydrangea macrophylla ‚Otaksa‘ Zweifel gibt. Diese verstärkten sich bei uns im April bei einem Besuch der Hortensienzüchterin Katrin Meinl im Betrieb der Claus und Torsten Kühne Jungpflanzen GbR.

Sie hatte Nachkommen von unseren ‚Otaksa‘ neben der Sorte ‚Bouquet Rose‘ stehen. Beide gleich alt und gleich kultiviert. Optisch war kein Unterschied auszumachen. Auch sagte die Züchterin, dass keine der anderen Sorten so von Roter Spinne betroffen sind, wie diese beiden. Den Eindruck, dass es sich um die gleiche Sorte handelt, gewinnt man auch, wenn man unsere Freilandauspflanzung betrachtet. Dort stehen 5 verschiedene europäische Herkünfte der ‚Otaksa‘ ganz in der Nähe von 2 Herkünften der ‚Bouquet Rose‘. Alle 7 sehen optisch gleich aus, blühen gleich und gehören zu unseren winterhärtesten Sorten. Vieles weist also darauf hin, dass die in Europa allgemein verbreitete ‚Otaksa‘ die 1907 von dem Franzosen E. Lemoine gezüchtete Sorte ‚Bouquet Rose‘ sein könnte.

Dass es nicht die Sieboldsche ‚Otaksa‘ sein kann, wird spätestens deutlich, wenn man diese mit den Originalherbarien und der Zeichnung aus der „Flora Japonica“ vergleicht. Nimmt man nun allerdings ein typisches Blatt der Sorten ‚Sir Joseph Banks‘ oder der Sorte ‚Ayesha‘, wird man schnell eine verblüffende Übereinstimmung feststellen. Hier trifft auch Siebolds Beschreibung zu, mit welcher er vorerst die ‚Otaksa‘ nicht zu Hydrangea macrophylla einordnete, sonder zur eigenen Art erklärte. Er schrieb über die Besonderheit der Blattform, dass diese verkehrt eirund seien und eine kurze keilförmige Spitze an ihrer Basis haben.

Auch van Gelderen weißt in seiner „Encyclopedia of Hydrangeas“ darauf hin, dass die ‚Otaksa‘ manchmal auch ‚Sir Joseph Banks‘ genannt wird. Auch bezeichnet er die japanische Sorte ‚Ayesha‘ als Mutation oder Sport von ‚Sir Joseph Banks‘ (wobei das erstere sicher zutrifft). Schließlich kam die ‚Otaksa‘ ja ursprünglich aus China, woher auch Banks seine Pflanze bekam. Dass beide Sorten nebeneinander existierten, ohne dass die Übereinstimmung je festgestellt wurde, ist anfangs nur so erklärbar: Auf Grund der Bodenverhältnisse kam die ‚Sir Joseph Banks‘ als hellrosa blühend in den englischen Kew Garden, so wie sie dann auch von William Curtis gezeichnet wurde.

In Japan wuchs die ‚Otaksa‘ auf eisenhaltigen Lehm und blühte hellblau. Offensichtlich blieb sie das dann auch bei den Bodenverhältnissen in Holland. Vergleicht man die Blätter der Pflanze auf Curtis‘ Zeichnung mit der in Siebolds „Flora Japonica‘, wird der hohe Grad an Übereinstimmung deutlich. Wenn sich obiges bestätigt: Welche von beiden Sorten trägt nun den richtigen Namen und welche ist Synonym? Den genauen Zeitpunkt der Vergabe der Sortennamen kennen wir nicht. Orientiert man sich am Einführungsjahr nach Europa, so wäre ‚Otaksa‘, verbunden mit dem Jahr 1859 das Synonym, auch wenn Siebold die Pflanze seit 1828 gekannt haben soll.

Hydrangea macrophylla ‚Sir Joseph Banks‘ ist demnach mit dem Einführungsjahr 1788/89 der gültige Name. Herr Bernard Schumpp berichtete uns im Juli 2011, dass es im Arboretum Shamrock in Frankreich eine ‚Otaksa‘ gibt, die Robert Mallets Vorfahren direkt aus Japan erhalten haben. Diese sollte in den Vergleich mit einbezogen werden. Die auf optischer Beobachtung beruhenden Erkenntnisse müssten dann von Genetikern nachgeprüft werden.